Zuckmantel

Die Geschichte der Stadt Zlaté Hory (bis zum Jahre 1945 Cukmantl, auf Deutsch Zuckmantel) und ihrer Umgebung ist seit ihren Anfängen mit dem Gold und dem Bergbau verbunden. Es war genau dies, was einen sehr starken Einfluss auf das Leben der Bewohner dieses Dorfes hatte, und was ihnen sowohl Wohlhaben als auch später den Verfall brachte. 

Die Bezeichnung „Cukmantel“ ist zum erstenmal im Jahre 1263 nachgewiesen. Die erste Erwähnung, die in Quellen zu finden ist, stammt aus dem Jahre 1281 und betrifft die Burg Edelstein (heutzutage nur eine Ruine). Die Stadt „Zlate Hory“ wurde als ihre Vorburg bezeichnet. 1306 erhielt Zuckmantel das Stadtrecht nach dem Magdeburger Recht vom Troppauer Fürsten Nikolaus I. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann man hier mit dem Goldabbau und die Stadt erhielt das Bergbaurecht. Im 16. Jahrhundert erreichte der Goldabbau seinen Höhepunkt und die Stadt wurde zum wichtigen Knoten auf dem Weg zwischen Olmütz und Niederschlesien (Breslau). Seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts hört der Goldabbau auf, und es wurde zum Kupferbergabbau gewechselt. Gegen das Ende des 30-jährigen Krieges wurde die Stadt von den schwedischen Truppen ausgeplündert (1642 und 1644 -7). Mit dem Jahre 1646 begannen in der Stadt und ihrer Umgebung Hexenprozesse, vom 5. Juli bis zum 29. September 1651 wurden deswegen in Zlaté Hory 30 Personen hingerichtet.

Als Beisitzer beim Gericht nahm auch der in Zlaté Hory geborene František Jidřich Boblig teil, der später zum Inquisitortribunal im Hexenprozess von Groß Ullersdorf wurde. Es wird geschätzt, dass in Zlaté Hory insgesamt 85 Personen hingerichtet wurden. In der Stadt, die sich früher vor allem an die Bergbau orientierte, nimmt langsam das Weben eine wichtige wirtschaftliche Rolle ein. So gab es im Jahre 1733 in der Stadt 191 Webern, auf 322 Gewerbetreibenden entfielen nur 50 Bergleute. Während des ersten preußisch-österreichischen Krieges wurde die Stadt Zlaté Hory auf Befehl des preußischen Königs Friedrich II. beschossen (22.06.1741), in Brand gesteckt und geplündert. Die Mehrheit der Häuser, des Rathauses und der Schule einschließlich, wurde niedergebrannt. Im 1742 wurde zwischen Österreich und Preußen Frieden geschlossen. Maria Theresia musste Preußen das ganze Niederschlesien und einen Teil des Oberschlesiens abtreten. Das Olsagebiet (Teschener Schlesien), Landeskreis Troppau und das Gebiet am südlichen Ufer des Flusses Oppa, ebenfalls wie die großen Gebirge blieben unter der Kontrolle Österreichs. Obwohl Zlaté Hory dem Preußen zugefallen sind, lehnte Friedrich II. ab, es zu übernehmen. Er nannte Zlaté Hory ein „Räubernest“, wo sich die Leute nur vom Haferbrot und Wasser ernähren. Die Stadt sollte zu einem eigenständigen Pfarrhaus werden und hat für immer das Dekanat von Glucholazy verlassen. Der Chronikschreiber vermerkt auch den wirtschaftlichen Verfall der Stadt Zlaté Hory. Am Ende des 19. Jahrhunderts gründete die Familie Förster ein Steinbearbeitungsunternehmen, das sich zu den wichtigsten Unternehmen in diesem Bereich im ehemaligen Österreich-Ungarn emporgearbeitete. Aus den Industriebereichen können wir Spirituosenfabrik, Konservenfabrik, die Obst verarbeitet, Herstellung der Fahrräder und zwei Ziegelfabriken nennen. In naheliegendem Endersdorf (Ondrejovice) befinden sich ein Eisenwerk (Eisenhütte), Blechwalzenwerk und Maschinenfabrik. Zu den wichtigsten Unternehmensarten ist zum Ende des 19. Jahrhunderts die Badekultur zugekommen und die Rolle der Stadt als ein Kurort nimmt an der Wichtigkeit ein.  Ebenso wichtig waren die Dinestleistungen, die mit der Touristik verbunden werden. Schweinburg´s Sanatorium wurde eine gesuchte Heilanstalt und hiesiges Land war ein bekannter Wandern- und Wallfahrtsort. Im Jahre des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges hat die Stadt 4520 deutsche Bewohner, aus diesen 452 eingerückten, von denen 118 im Krieg fielen. Am 4. März 1919 demonstrieren die am Gebiete des neu entstandenen Tschechoslowakei lebenden Deutschen für ihr Recht auf Selbstbestimmung und erfordern ihre Assoziierung zum Österreich. Die tschechischen Truppen treten ein. In Jahren 1919 – 1920 kommt in Zlaté Hory tschechische Armee, der die Polizei und Beamter folgen. Im Jahre 1938 wurden zu dem tschechischen Heer die deutschen Männer berufen, viele von ihnen laufen aber bald über die Grenze über. Am 22. September wird die Grenze nach Bad Ziegenhals zwischen Deutschland und Tschechoslowakischen Republik durch die deutsche Freikorps geöffnet. Am 6. Oktober tritt die deutsche Armee in Zlaté Hory ein. Aus der Stadt werden in das Innenland 126 tschechische Bewohner verschoben. Am 8. Mai besetzt die Rote Armee Zlaté Hory, die Führung der Stadt nehmen die tschechischen Ämter über. Der überwiegende Teil der tschechischen Bevölkerung des Regions Zuckmantel wird folgend nach Deutschland (26.7.1945 und 9.10.1946) transportiert. Im Jahre 1948 wurde die Stadt in Zlaté Hory umbenannt (früher Cukmantl, Zuckmantel).

Das Leben und Werk von vielen Persönlichkeiten wird mit dieser Stadt verbunden. Es sind zum Beispiel der Bildhauer B. Kutzer, Maler F.Templer, E.Brendel, , F. Pospíšil. Literaten Viktor Heeger, L. W. Rochowanski und andere. Zlaté Hory sind auch Geburtsort von Alžběta Vitzová, der Mutter vom Komponisten F. Schubert. Im Sanatorium wurde im Jahre 1905 und 1906 auch der Schriftsteller F. Kafka geheilt.

Erzählungs-, autobiografisch gestimmtes Buch Rändlaleut (Lidé z okraje) vom in Zlaté Hory gebürtigen L.W. Rochowanski, ist eine poetische Abbildung der Stadt und ihrer Leute. Ihr Charakter, der von der Geschichte der Stadt und von der herrlichen Rauheit des Berglandes bestimmt ist, schildert der Autor mit der Liebe und sehr plastisch. Das Buch ist eine rührende Liebeserklärung und eine Huldigung des Geburtsortes und Geburtslandes.

Der Kopf des Städtchens ruht schon auf den hügeligen Schläfen der Berge, sie hängen ihm in zwei wundervoll begrünten Bögen bis zu den schwachen Schultern hinab, umbauen schützend seinen Leib. Nur mit den Flüssen greift es hinaus auf die Äcker, auf die Felder mit den Haselnussbüschen und Brombeerhecken, über seine Zehen wandert der Blick weit über Land und in einen grossen Himmel, den die Lerchen bewohnen und besingen. (13)

Die kleine Stadt dort oben in Schlesien, an warmen Sommertagen, wenn das Mittagessen beendet war, lag sie eine Weile im Schlaf wie um Mitternacht. Vor den Fenstern waren grúne Schutzdächer ausgespannt, in die Stuben fielen schön.......................................... (99-100)

Immer wieder sehe ich diese kleine schlesische Städtchen vor mir, seine einzige lange Gasse, die bei der Ruhe gesegneter Felder beginnt und hinführt bis zu den Altären der Berge. (159)

Die Geschichten spielen nicht nur in der Stadt, aber auch in ihrer nähen Umgebung. Es wird zum Beispiel die Goldkoppe / Zlatý Chlum (891 ü.d.M.) erwähnt, ein Berg, der sich nördlich von der Stadt befindet, die Kirche der Heiligen Maria, die im Jahre ... an einer von den hoch über die Stadt gelegten Bergeshände gebaut wurde. Ebenfalls wird der Berg „Rochův kopec“ erwähnt, der eine günstige Lage in der Umgebung der Stadt (527 M.) hat, oder ein Teich “Zlaté jazero“, der sich nördlich von der Stadt erstreckt und wo die Kinder Schlittschuh laufen.

Der leuchtende Goldberg, den er mit seiner Schürze umspannte, war ihm keine Last, er schien ohne Gewicht zu sein, ruhte wie ein flammenloses Licht an seinem klopfenden Herzen. (25)

Als die Brücke nach dem Heil immer mehr von Tränen überschüttet wurde, ent­schlossen sich Vater und Mutter mit ihrem Kinde in einer Wallfahrt nach dem Gnaden­ort Maria-Hilf mitzugehen und um Erhörung zu flehen.

Sobald die Fläschners diesen Plan gefasst hatten, gingen sie leichter dem Schlaf entge­gen, denn das Wunder, das sie erwarteten, trat schon jetzt wie ein Engel an ihr Bett und nahm ihnen mit unsichtbarer gütiger Hand den Sorgenschmerz aus der Stirn, pflanzte ihnen einen blühenden Baum in den Traum und darin sass ihr Annala, gesund und warf ihnen ein rundes Lachen in den Schoss. (38-39)

Auch der Mariahilfer Berg war von einem weichen wollefeinen Mantel eingehüllt, die Fichten und Tannen jammerten über die Last, die auf ihren grünen Schultern festfror, ein schneidender Wind trieb sich herum und zwickte die seltenen Fussgeher in die Ohren (39)

Wenn die Kälte kräftig nach dem Wasser griff, gab es Schleiftage, am Nachmittag zo­gen Erwachsene und Kinder mit klappern­den Schlittschuhen die Niederstadt hinaus auf den Eislaufplatz. Mitten in die Felder war er hineingeschnitten. (rybník 43)

Im Gasthof zum goldenen Stern und in der Sonne gab es sogar richtige Bälle, der bärtige Männergesangsverein und die be­helmte Feuerwehr vereinigten viele tanzbe­reite Beine …, (62-63)

In einem solchen Augenblick konnte sie den Schmerz, die Nachbarschaft der Leere nicht ertragen, sie lauerte auf eine Gelegen­heit, schlich aus dem traurigen Haus, trip­pelte die geliebten Hintergassen entlang auf den nahen Rochusberg hinauf. (150)

Eine zerstörerische Überschwemmung vom Sommer 1903 (nach den Quellenangaben hat der Bach die Breite 50 – 100 Meter erreicht ) vermerkte in seinem Buch auch der Schriftsteller ....

In dem gleichen Sommer kam grosses Unheil über die von der Hinterstadt. (153)

Das Wasser stieg, es flutete schon bis in die Hauptgasse hinab, es langte aber auch nach höher gelegenen Stellen mit seinen gie­rigen Zungen, schon näherte es sich Polkes Gärtchen. Die armen Menschen mit ihren dünnen Armen und zittrigen Beinen, sie rannten hin und her, schleppten Steine her­bei, schlugen Pfähle ein, suchten Dämme auf­zuschlichten, blickten gegen den ungnädigen Himmel. (155)

Autoren

Unvollendet
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Viktor Emanuel Heeger

Geburtsdatum

28. 4. 1858
Zuckmantel

Todesjahr

5. 8. 1935
Troppau

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Leopold Wolfgang Rochowanski

Geburtsdatum

3. 8. 1885
Zuckmantel

Todesjahr

13. 9. 1961
Wien

Das Zentrum von Zuckmantel, der Hauptplatz
Das Zentrum von Zuckmantel, der Hauptplatz
Das Tal des Goldbaches, in der Ferne die Stadt Zuckmantel
Plakat zur Feier des 700 Jahresjubiläums der freien Bergstadt Zuckmantel
Die Marihilf-Kirche oberhalb von Zuckmantel
Die Marihilf-Kirche oberhalb von Zuckmantel