Prossnitz

 

Ungefähr in der Mitte von Mähren, dort, wo sich die reichgesegneten Fluren der Hanna dehnen, liegt meine Geburtsstadt.

An ihrem Bilde hat sich im Laufe der Zeit wenig geändert, sie ist die Provinzstadt geblieben, wie sie meine Kinderaugen sahen, mit ihrem schönen Stadtpark und den Überresten von Mauern, die sie einst umgürtet, mit ihren schmutzigen Straßen und ihrem großen Marktplatz, mit ihrer reichen Industrie und ihrer regsamen Bevölkerung.

Im Stadtinnern stehen noch dieselben Häuser, die zu meiner Zeit dort gestanden sind, nur hier und dort ist eines gefallen, um einem modernen Neubau Platz zu machen, und einige neue Gassen sind zu den vielen alten dazugekommen.

Seit vielen Jahren bin ich in meiner Geburtsstadt nicht gewesen. Nur manchmal geht meine Sehnsucht zu dem kleinen unscheinbaren Hause mit dem moosübersponnenen Schindeldach, in dem ich zur Welt kam. (...)

Ich sehe einen kleinen Jungen, der sich im Garten tummelt oder aus Sand Burgen baut; der schon auf die Bäume steigt und seine ersten Höslein zerreißt; der sich zuweilen durch die Tür schleicht, die aus dem Garten in die Felder führt, Schmetterlingen nachjagt bis weit, weit hinaus, wo ein träger Bach fließt, und, zurückgekehrt, als Strafe für dieses Ausreißen knien muß; der unter einem Bette schläft, während seine Mutter ihn in der ganzen Umgebung sucht; und der um die herzigen Kätzlein weint, die die Hauskatze geworfen und die der Onkel ersäufen läßt.

Ich sehe einen Jungen, der in seinem unbändigen Freiheitsdrang auf die Straße läuft, gerade in die Pferde vor einem Wagen hinein, so daß der Kutscher Mühe hat, sie noch rechtzeitig zurückzureißen, ehe sie das Büblein zerstampfen; der mit der Magd zum Bäcker läuft, um das im Hause zubereitete Brot backen zu lassen; der nach jedem Gewitterregen in den Wassertümpeln herumpatscht, daß das Wasser über ihn zusammen spritzt, der auch oft am Mautschranken sitzt und in die tellerebene Weite schaut, die, soweit seine Blicke reichen können, sich vor ihm breitet, und sich fragt: ob denn die Welt wohl größer sei, als soweit er schauen könne, und ob es außer seiner Vaterstadt auch noch andere Städte und andere Menschen gebe. (............, S......)

Autoren

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Edmund Husserl

Geburtsdatum

8. 4. 1859
Proßnitz

Todesjahr

27. 4. 1938
Freiburg im Breisgau

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Pankraz Schuk

Geburtsdatum

13. 5. 1877
Proßnitz

Todesjahr

13. 1. 1951
Maria Enzensdorf

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Ludwig Erik Tesar

Geburtsdatum

6. 7. 1879
Brünn

Todesjahr

8. 10. 1868
Schwaz/Tirol

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Max Zweig

Geburtsdatum

22. 6. 1892
Prossnitz

Todesjahr

5. 1. 1992
Jerusalem

Prossnitz - Ansichtskarte, Anfang des 20. Jhs.