Wagstadt


Wagstadt befindet sich in Schlesien, als Teil des Neutitscheiner Bezirks in der Mährisch-Schlesischen Region. Dessen westlicher Teil liegt im geschützten Gebiet des Naturparks Oderberge. Der tschechische Name Bílovec entstand entweder durch die Ableitung vom Personennamen Bil oder vom Adjektiv „bělový“, was die ursprüngliche Bezeichnung für einen durch Schlamm fließenden Wasserlauf war. Der deutsche Name Wagstadt wurde vom Namen des Besitzers Wok von Krawarn abgeleitet und bedeutete „Woks Stadt“.

Die erste schriftliche Erwähnung der Gemeinde stammt aus dem Jahr 1324, als Wok I. von Krawarn ihr Besitzer war. Die Stadt hatte bereits zu dieser Zeit eine strategisch wichtige Lage, da sie am Schnittpunkt zweier Handelswege lag. Im Jahr 1383 verlieh Benesch von Krawarn der Stadt das Heimfallrecht und das Befestigungsrecht. Die Herren von Krawarn hielten Wagstadt bis 1434, danach ging die Herrschaft in den Besitz der Herren von Sternberg und anschließend der Troppauer Herzöge über. Zu den bedeutendsten Besitzern gehörten die Herren von Füllstein, die an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert hier das erste Schloss errichteten. Dieses Geschlecht erhielt von Kaiser Ferdinand I. eine sechsjährige Frist, um die Silberminen in der Umgebung in Betrieb zu nehmen. Aufgrund ihrer hohen Verschuldung waren die Füllsteiner jedoch 1543 gezwungen, die Stadt zu verkaufen.

In den Jahren 1576–1595 ließ der neue Grundherr Bernard Praschma von Bilkau die ursprüngliche Festungsanlage von Wagstadt zu einem vierflügeligen Renaissance-Schloss umbauen.  Zu seinen Lebzeiten wurden die Stadt und das Schloss zu einem wichtigen politischen Zentrum der Region Troppau. Sein Nachfolger Karl Praschma von Bilkau war Protestant und ein aktiver Anhänger des Ständewiderstandes gegen Kaiser Ferdinand II. Als Anhänger der lutherischen Reformation wurde er zum Oberhaupt des nichtkatholischen Adels in der Region Troppau. Nach der Niederlage der Ständearmee in der Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 wurde die Stadt von den kaiserlichen Truppen geplündert, und gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde Wagstadt noch mehrmals von der schwedischen Armee verwüstet.

Anschließend erwarb das Geschlecht der Sedlnitzky von Choltitz die Herrschaft. Im Jahr 1729 suchte ein verheerender Brand die Stadt und das Schloss heim, was den Anlass für den anschließenden barocken Umbau gab. In der Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, und hier waren insgesamt 10 Zünfte tätig. Die industrielle Entwicklung setzte sich 1830 mit der Gründung der Tuchfabrik Leicher fort. Ein bedeutender Meilenstein war das Jahr 1863, als der Wiener Unternehmer Ferdinand Salcher nach Wagstadt kam. Das von ihm gegründete Unternehmen Massag A.G. erzielte die größten geschäftlichen Erfolge. Ab 1914 erschien in der Stadt eine Lokalzeitung unter dem Namen Wagstadter Zeitung.

Am 10. Oktober 1938 besetzten Truppen der deutschen Wehrmacht Wagstadt, was zur Eingliederung der Stadt in das Großdeutsche Reich führte. Das Ende des Zweiten Weltkriegs fügte der Stadt erhebliche Schäden zu. Die Rote Armee eroberte Wagstadt aufgrund des starken Widerstands der deutschen Verteidigung vom 28. April bis zum 3. Mai 1945 unter Einsatz schwerer Artillerie, wobei das örtliche Schloss erneut niedergebrannt wurde.

Trotz der schweren Beschädigungen am Kriegsende wurde der historische Stadtkern zur städtischen Denkmalzone erklärt. Zu den wichtigsten erhaltenen Denkmälern gehören das Schloss Wagstadt aus dem 16. Jahrhundert, die St.-Nikolaus-Kirche mit einem Rokoko-Altarbild sowie die St.-Barbara-Kapelle.

Die Stadt ist zudem mit einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten verbunden. Dazu gehören der spätbarocke Maler und Kupferstecher Jan Ignác Cimbal (1722–1795), der Dichter und Musiker Jan Bayer (1757–1830), der Historiker und Pädagoge Richard Trampler (1845–1907) sowie der Schriftsteller, Dichter und Pädagoge Jan Horváth Döme (1959–2020).

Offizielle und ausführlichere Informationen zur Stadtgeschichte finden Sie auf der Website der Stadt Wagstadt (https://www.bilovec.cz/historie-mesta/ms-71168/p1=71168).


Autoren

Unvollendet
Johannes Beyer

Geburtsdaten
1757
Wagstadt

Sterbedaten
1830
Partschendorf

Unvollendet
Andreas Rutzky von Brennau

Geburtsdaten
15.01.1829
Wagstadt

Sterbedaten
04.12.1896
Graz