Wostitz


Die ersten Erwähnungen der örtlichen Kirche stammen bereits aus dem Jahr 1276 und belegen die Existenz einer Siedlung zu dieser Zeit. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entwickelte sich die Ortschaft zu einem kleineren Marktort, der Bestandteil verschiedener adeliger Herrschaften war. Im 14. und 15. Jahrhundert bewirtschafteten lokale Adelsgeschlechter das Gebiet, ehe der Besitz an das Kloster in Kanitz überging, in dessen Händen er bis zu dessen Aufhebung im Jahr 1527 verblieb. In der Folge wurde die Herrschaft an weltliche Eigentümer veräußert.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts gehörte Wostitz bedeutenden Adelsfamilien, unter anderem dem Geschlecht der Herren von Boskowitz, die bauliche Veränderungen vornahmen und der Ortschaft ein neues Gepräge verliehen. In dieser Zeit entstand auch eine Feste sowie später ein Renaissanceschloss. Seit 1574 befand sich der Ort im Besitz der Familie von Thurn, die beabsichtigte, hier einen bedeutenden Familiensitz zu errichten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die neue Kirche des heiligen Johannes des Täufers erbaut. Die konfessionellen Verhältnisse waren vielfältig, wobei der Protestantismus überwog; nach der Schlacht am Weißen Berg und der einsetzenden Rekatholisierung kam es jedoch zur Abwanderung der nichtkatholischen Bevölkerung. Im Jahr 1619 wurde Wostitz von kaiserlichen Truppen niedergebrannt, und die folgenden Kriegsereignisse führten zu einem erheblichen Bevölkerungsrückgang sowie zu wirtschaftlichem Niedergang. Nach Konfiskationen gelangte die Herrschaft in den Besitz der Familie von Dietrichstein, die sie über mehrere Jahrhunderte hielt. Im 17. Jahrhundert sah sich die Gemeinde weiteren Katastrophen ausgesetzt, etwa dem Einfall der Tataren im Jahr 1663, bei dem ein großer Teil der Häuser zerstört wurde. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Dietrichsteiner ging die Herrschaft an die Familie von Herberstein über, die sie bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts innehatte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden im Zuge der Bodenreform die Großgrundbesitze parzelliert, und im Jahr 1923 ging die Herrschaft in das Eigentum einer Aktiengesellschaft über. Während des Zweiten Weltkriegs war die Gemeinde Teil des nationalsozialistischen Herrschaftsgebiets und wurde nach dessen Ende erheblich beschädigt; ein Teil der Bausubstanz wurde zerstört, und die Bevölkerungsstruktur veränderte sich grundlegend.

Nach 1945 kam es zur Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung, und die Ortschaft wurde neu besiedelt, insbesondere durch tschechische Familien aus verschiedenen Teilen Europas sowie der Tschechoslowakei, darunter aus Bulgarien, Wolhynien und Ungarn.


Autoren

Unvollendet
Anton Hammel

Geburtsdaten
1912
Wostitz

Sterbedaten
1932
Feldsberg

Unvollendet
Anton Heindl

Geburtsdaten
02.06.1859
Wostitz

Sterbedaten
N/A