Slawathen (Piesling)


Slawathen, heute ein Ortsteil der Gemeinde Piesling im Bezirk Neuhaus, gehört zu den historischen Siedlungen Südwestmährens. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1298, als Kojiš von Slawathen genannt wird. Im 14. Jahrhundert befand sich Slawathen im Besitz von Stephan und Pillung, später von Stephan und Philipp. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erwarb Pelhřim von Slawathen das Dorf von Wilhelm Obenstein und Georg Rytentaller. Im Jahr 1405 wird Slawathen erstmals in einer tschechischen Urkunde unter der heutigen Bezeichnung erwähnt, in deutscher Form als Slawaten.

Zum Gut Slawathen gehörte auch eine Feste, die als Sitz des niederen Adels und als Verwaltungszentrum des örtlichen Besitzes diente. Die erste schriftliche Erwähnung der Feste stammt aus dem Jahr 1407. Im Jahr 1464 übertrug Elisabeth von Slawathen das Dorf einschließlich der Feste an die Brüder Mareš und Hanuš Házl von Neudorf, die mit dem Geschlecht der Krokvicar verwandt waren. Die Familie Házl hielt Slawathen mehr als ein Jahrhundert lang; in den Quellen werden unter anderem Wolf Házl und Johann Házl als Besitzer genannt. Im Jahr 1600 verkauften die Házl den Besitz an die Krokvicar, und der Ort wurde anschließend mit der Herrschaft Piesling vereinigt. Mit dem Verlust der eigenständigen Adelresidenz verlor die Slawathener Feste ihre ursprüngliche Wohnfunktion und wurde schrittweise Bestandteil des herrschaftlichen Wirtschaftshofes.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts war Slawathen dauerhaft mit der Herrschaft Piesling verbunden. Im Jahr 1619 verkaufte Hanuš Ludwig Krokvicar von Neudorf Piesling und Slawathen an Christoph Blekt von Outěchovice. Da der neue Besitzer den vollständigen Kaufpreis nicht entrichten konnte, wurde sein Besitz anschließend konfisziert. Im Jahr 1626 gelangte die konfiszierte Herrschaft an Hannibal von Schaumburg. Nach seinem Tod ging das Eigentum auf seine Brüder über, die Piesling mit Slawathen im Jahr 1636 an Eucharius Horst von Beranau verkauften. Nach dessen Tod erbte seine Ehefrau Maria Katharina die Herrschaft. Im Jahr 1693 erwarb Georg Wilhelm von Moschlitz den Besitz; 1730 ging die Herrschaft in den Besitz des Hauses Collalto über, das sie bis ins 20. Jahrhundert innehatte.

Das Wirtschaftsleben Slawathens war in der Neuzeit vor allem durch die Landwirtschaft geprägt. Auf dem Katastergebiet des Ortes befand sich ein herrschaftlicher Hof, der eine bedeutende wirtschaftliche Einheit der Grundherrschaft darstellte. Die Einwohner Slawathens entrichteten Abgaben an die Herrschaft Piesling sowie den Zehnten an die Pfarrei Zlabings. Die wirtschaftlichen Beziehungen waren eng mit der nahe gelegenen Stadt Zlabings verbunden, wohin die Bewohner regelmäßig zu den montäglichen Märkten gingen.

Im 18. Jahrhundert blieb Slawathen weiterhin Bestandteil der Herrschaft Piesling. Im Jahr 1769 veräußerten die Hartig den dortigen Besitz an Graf Collalto, dessen Familie die Herrschaft bis zur Aufhebung der Patrimonialverwaltung innehatte. Die Slawathener Feste diente zu dieser Zeit bereits nicht mehr als Adelssitz, sondern wurde ausschließlich für wirtschaftliche Zwecke genutzt. Noch die Karte des Stabilen Katasters aus dem Jahr 1825 verzeichnete die ursprüngliche Ausdehnung der Gebäude der Feste; deren allmählicher Verfall und Abbruch erfolgte vor allem im 19. Jahrhundert.

Im 20. Jahrhundert veränderte sich der Charakter des Ortes erheblich. Im Jahr 1924 befanden sich in Slawathen ein Hof des Großgrundbesitzes Collalto, eine Brennerei der Firma Spitz sowie eine Essigfabrik der Firma Johann Spitz. Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte 1932 durch den Anschluss an das Stromnetz der Westmährischen Elektrizitätswerke in Brünn. Nach 1945 kam es zu einer Veränderung der nationalen Zusammensetzung der Bevölkerung; bis dahin überwog in Slawathen die deutsche Bevölkerung. Im Jahr 1930 bestand der Ort aus 53 Häusern mit 251 Einwohnern. Im Jahr 1950 wurde in Slawathen eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft gegründet, die 1960 in die Tschechoslowakischen Staatsgüter eingegliedert wurde. Seit 1976 ist Slawathen Ortsteil der Gemeinde Piesling.


Autoren

Unvollendet
Michael Holzmann

Geburtsdaten
21.06.1860
Slawathen (Piesling)

Sterbedaten
20.10.1930
Wien