Ungarisch Ostra
Ungarisch Ostra ist eine Stadt mit etwa 4 200 Einwohnern, die elf Kilometer südwestlich von Ungarisch Hradisch am Fluss March liegt.
Reichhaltige archäologische Funde zeugen von der alten Besiedlung der Nieder March Talsenke, in deren nördlichem Teil die Stadt Ungarisch Ostra liegt. Diese Funde belegen eine frühe Besiedlung der Gemeinde bereits in der Altsteinzeit. Bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts befand sich am rechten Ufer der March eine Siedlung namens Stenice, die als Rast- und Übernachtungsort für Handelskarawanen diente, die auf der alten Handelsroute entlang der March unterwegs waren. In der Mitte des 13. Jahrhunderts begannen die Přemysliden mit dem Bau eines Verteidigungssystems gegen ungarische Überfälle in Südostmähren. Dazu gehörte auch die Burg in Ungarisch Ostra, die ihren Charakter als Wasserfestung behielt. Sie wurde von König Premysl Ottokar II. auf der Überquerung von March errichtet. Existenz der Burg wird auch durch die erste schriftliche Erwähnung der Stadt bestätigt, die vom 7. Januar 1275 stammt.
Eine bedeutende Rolle spielte Ungarisch Ostra zu Beginn des 15. Jahrhunderts in der Zeit der Hussiten. Der damalige Besitzer des Herrschaftsgutes von Ungarisch Ostra, Haschek von Waldstein, war ein leidenschaftlicher Anhänger der Hussitenbewegung und ließ zwei Hussitenpriester in die Stadt einladen, die eine Reihe von Einwohnern der Stadt und auch der Umgebung zum hussitischen Glauben bekehrten. Um das Jahr 1420 entstand in der Stadt eine hussitische Festung – der Chronist Lorenz von Brösau bezeichnet sie als „Moravský Tábor“. Nach einigen Jahren wurde Ungarisch Ostra jedoch von den Truppen des Königs Sigismund von Luxemburg erobert, die die Stadt als Kriegsbeute behandelten.
Nach 1511 ging Ungarisch Ostra in den erblichen Besitz der Herren von Kunowitz über, die die Stadt mehr als 100 Jahre lang aufbauten. Unter ihrer Herrschaft wurde die Wasserburg von Ungarisch Ostra zu einem Renaissance-Schloss umgebaut. Nach der Schlacht am Weißen Berg war der damalige Besitzer Jan Bernard von Kunowitz gezwungen, aus dem Land zu fliehen, und die Herrschaft ging an die Liechtensteiner über, unter deren Herrschaft die Stadt wirtschaftlich eher stagnierte. Die Bevölkerung litt unter häufigen Überschwemmungen und gelegentlichen Einfällen durch Türken oder Ungarn. Trotz aller Widrigkeiten behielt Ungarisch Ostra jedoch den Charakter einer kleinen mährischen Agrar- und Handwerksstadt. Eine bessere Lage erlangten die Einwohner von Ungarisch Ostra nach 1850, als das Schloss zum Sitz der Bezirksverwaltung mit Bezirksgericht wurde. Heute beherbergt das Schloss das Stadtamt, die Bibliothek und die Schlossgalerie, außerdem stehen zwei Besichtigungsrundgänge zur Verfügung.
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