Altwasser
Altwasser entstand vermutlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts im Tal des gleichnamigen Baches auf dem Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Liebau. Dank günstiger natürlicher Bedingungen, ausreichender Wasservorkommen und vergleichsweise fruchtbarer Böden entwickelte sich die Siedlung zu einem der bedeutenderen Orte der Region Liebauer Ländchen. Die ersten schriftlichen Erwähnungen stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts; spätere Quellen belegen neben einer deutschsprachigen Bevölkerung auch die Anwesenheit tschechischer Siedler.
Ihre größte Bedeutung erlangte Altwasser als Wallfahrtsort. An der Stelle älterer Wallfahrtskapellen wurde in den Jahren 1681–1689 die monumentale barocke Kirche St. Jakobus des Älteren und St. Anna errichtet. Später kamen ein Piaristenkolleg, Arkadengänge sowie weitere Gebäude hinzu, die zusammen einen umfangreichen religiösen und kulturellen Komplex bildeten. Die Wallfahrtstradition besaß hier eine lange Kontinuität und zog Gläubige aus einem weiten Umkreis an.
Neben seiner religiösen Funktion war Altwasser auch ein wirtschaftlich bedeutender Ort. In der Gemeinde bestanden Schieferbrüche, eine Wasser- und eine Windmühle sowie eine Ziegelei. Darüber hinaus förderten zahlreiche Vereine das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten vor allem die Landwirtschaft und der Wallfahrtsbetrieb.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem tiefgreifenden Einschnitt in der Ortsgeschichte. Die Bevölkerung wurde ausgesiedelt, und das Gebiet wurde in den Truppenübungsplatz Liebau eingegliedert. Der überwiegende Teil der Bebauung verschwand in den folgenden Jahrzehnten; auch das Kloster und weitere Bestandteile des Wallfahrtsareals wurden abgetragen. Erhalten blieb lediglich die Kirche St. Jakobus des Älteren und St. Anna, die nach Jahrzehnten des Verfalls nach 1989 umfassend restauriert wurde.
Heute ist Altwasser eine Wüstung, deren historische Bedeutung vor allem durch die restaurierte Wallfahrtskirche und die wiederaufgenommenen Pilgertraditionen in Erinnerung gehalten wird. Diese knüpfen an mehr als fünf Jahrhunderte religiösen Lebens an und machen den Ort zu einem bedeutenden Zeugnis der Kultur- und Siedlungsgeschichte des Liebauer Ländchens.
Die Quelle: https://cs.wikipedia.org/wiki/Star%C3%A1_Voda_(M%C4%9Bsto_Libav%C3%A1)