Emmy Freundlich


Unvollendet
Geburtsdaten
25.06.1878
Aussig
Sterbedaten
17.03.1948
New York

Die Journalistin und Dichterin kam aus dem Aussiger Patriziat, heiratete 1900 den Radakteur Leo Freundlich und ging mit ihm nach Mährisch-Schönberg Dort lebte sie bis 1911, war organisatorisch in der sozialdemokratischen Partei tätig und schrieb Aufsätze für die Regionalpresse im Geiste der sozialistischen Bewegung und der Frauenemanzipation. 1911 ging sie nach Wien, wo sie weiter politisch tätig war, auch als Ministerialbeamtin und Abgeordnete. Sie blieb dauernd publizistisch aktiv, auch als Herausgeberin genossenschaftlicher Zeitschriften. In den zwanziger Jahren wurde sie - und blieb es bis zu ihrem Tode - Vorsitzende des „International Co-operation Women´s Guild“. In Zusammenhang mit dem Aufstand des österreichischen Schutzbundes wurde sie 1934 verhaftet, bald entlassen, konnte aber in das politische Leben im Lande nicht mehr zurückkehren. 1939 emigrierte sie nach Großbritannien, nahm ihre Funktion als Leiterin der Genossenschaften wieder auf und ging 1947 im Dienste der UNESCO nach New York. Ihre Kontakte zu Nordmähren hat sie auch in ihrer Wiener Zeit nicht aufgegeben. Von ihren sozusagen „im Privaten“ geschriebenen Gedichten hat sie nur eine Auswahl aus ihrem Jugendwerk in Buchform herausgegeben - die Sammlung Frührot (1907). Dieser Band stellt ein Glanzstück der Jugendstil-Lyrik dar. In begeistertem Ton, mit Nutzung impressionistischer und symbolistischer Wort- und Bildwahl wird ein abstraktes sezessionistisches, idealistisches und messianistisches Programm für den Menschen und die Menschheit gestaltet; mit ans Religiöse angrenzendem Pathos werden Sonne, Erde, Kosmos, Natur, Frühling apostrophiert und aktive Humanität verlangt. Neben der Aufstellung von Ideal und idealer Haltung des Menschen kommt auch das Dekorative nicht zu kurz.

Bibliographie

 Frührot. Wien H. Heller 1907.

Arbeiterinnenschutz. Wien 1913.

Gleiches Recht für Frauen! Eine Werbeschrift mit Beiträgen von E[mmy] Freundlich, S[iegfried] Nestriepke,

A[delheid] Popp. Hrsg. von Adolf Braun. Nürnberg Fränk. Verl. Anst. & Buchdr. 1914.

Unser tägliches Brot. Eine Einführung in die Fragen der Zoll- und Handelspolitik. Wien H. Heller 1917.

Wege zur Gemeinwirtschaft. Jena Zwing 1928.

Die Genossenschaft von Emma Freundlich. Wien O. Maass 1929.

Die Genossenschaftsbewegung im Lande und der Gemeinde Wien. Ihre Entwicklung, ihr Aufbau und ihre Zukunft. Wien Vorwärts 1930.

Die Internationale der Genossenschaften. Der Mensch in der Wirtschaft und der Sozialismus. Wien Verlag der Organisation der sozialdemokratischen Partei 1930.

Die Macht der Hausfrau. Ein Aufruf an die Hausfrauen. Wien Verlag der Wiener Volksbuchhandlung 1927.

Wesen, Aufgaben und Organisation der Genossenschaftsbewegung. Bibliothek der genossenschaftlichen Beiräte der Betriebsräte Österreichs 1927.

Der Kampf um die Reorganisation der Weltwirtschaft und die Internationale Weltwirtschaftskonferenz. München Heller [o.J.].

 

Sekundärliteratur:

AGGERMANN, FRANZ: Die Regelung der Arbeitsverhältnisse im Kriege von Emanuel Adler, Emmy Freundlich unter Leitung von Ferdinand Hanusch und Emanuel Adler. Wien 1927.

BECHTEL, BEATRIX: Emmy Freundlich. In: „Die Partei hat mich nie enttäuscht ...“ Wien 1989, S. 89 – 32.

jp-i.e. [Zdeněk Filip]: Emmy Freundlichová a počátky ženského dělnického hnutí na Moravě. In: Severní Morava (1978) Šumperk, Bd. 36, S. 57-69.

 

Ludvík Václavek