Polna
Polna entstand vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts als Rastplatz an einem älteren Zweig der sogenannten Habersche Stezka im Grenzwald zwischen Böhmen und Mähren. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Besitzurkunde von Jan I. von Polmna aus dem Jahr 1242, in der auch die der Heiligen Mutter Gottes geweihte Kirche genannt wird. Über die Burg sind lediglich Vermutungen überliefert, es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie bereits existierte. Die Lage im Zentrum des Böhmisch-Mährischen Hügellandes machte Polna zu einem strategisch bedeutsamen Ort, was die Entwicklung des Marktdorfes förderte und seine Einbindung in die Herrschaften bedeutender Adelsfamilien begünstigte.
Im Mittelalter gehörte Polna den Besitztümern von Vikard von Polna, den Herren von Lipá und den Herren von Pirkštejn. Während der Hussitenkriege herrschte Hynek Ptáček von Pirkštejn über Polna; später erwarb Viktorin von Kunštát, Sohn von König Georg von Podiebrad, die Stadt und verlieh ihr 1479 städtische Privilegien, ein Wappen sowie das Recht des roten Siegels. Im 15. und 16. Jahrhundert befand sich Polna im Besitz der Trčkas von Lípa, der Wallensteins, der Herren von Hradec und der Žejdlic von Šenfeld. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde das Gut konfisziert und vom Kardinal Franz von Dietrichstein erworben, dessen Familie hier fast 300 Jahre verblieb. Die zu einem Schloss umgebaute Burg brannte 1794 aus und wurde nicht wiederhergestellt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Polna zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum der Region, insbesondere während der nationalen Wiedergeburt. Die wirtschaftliche Blüte war vor allem dem Tuchmachergewerbe zu verdanken, das die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt bestimmte. Gleichzeitig entstanden kulturelle Institutionen, darunter tschechische Bildungsvereine, eine Bibliothek, die Slawische Linde sowie die Národní garda. Ebenfalls bedeutend war die jüdische Gemeinde, die seit dem 17. Jahrhundert ein integraler Bestandteil des städtischen Lebens war. Ein tragisches Ereignis war der Brand von 1863, bei dem 189 Häuser zerstört und viele Bewohner obdachlos wurden. Der wirtschaftliche Niedergang wurde zudem durch die Umgehung der Stadt durch die Nordwestbahn sowie durch den Widerstand lokaler Handwerker gegen die Industrialisierung verstärkt.
Bis heute hat sich Polna als kleinere Stadt mit Kleinindustrie, kulturellem Leben und historischen Bauwerken erhalten. Bekannt ist die Stadt für die mrkvancová pouť, eine der größten Wallfahrtsveranstaltungen in Vysočina. Außerdem ist Polna mit den Ereignissen der sogenannten Hilsneriáda verbunden, als Leopold Hilsner 1899–1900 zu Unrecht beschuldigt und verurteilt wurde; gegen das Urteil trat Tomáš Garrigue Masaryk ein. Dieser Fall bleibt ein bedeutender Teil der Geschichte Polnas.
Quelle: https://www.mesto-polna.cz/historie/d-317948/p1=84297