Teltsch
Die Stadt Teltsch liegt im Süden des Bezirks Iglau auf der Böhmisch-Mährischen Höhe in der Region Hochland, unweit der österreichischen Grenze. Von der Bezirkshauptstadt Iglau ist sie etwa 25 Kilometer entfernt. Einer örtlichen Sage nach ist die Gründung von Teltsch mit dem Sieg des mährischen Fürsten Otto II. über den böhmischen Fürsten Břetislav im Jahr 1099 verbunden. Zum Gedenken an diese Schlacht sollen eine Kapelle und eine Siedlung errichtet worden sein, die den Kern der heutigen Altstadt bilden. In schriftlichen Quellen taucht Teltsch jedoch erst im Jahr 1315 auf. Ein historisch belegter Bericht aus dem Jahr 1335 bestätigt zudem, dass das damalige Städtchen bereits als Sitz eines königlichen Verwalters diente.
Es wird angenommen, dass die entscheidende Entwicklung nach 1354 unter Menhart von Neuhaus einsetzte, der eine Burg, Kirche und Wasserbefestigungen errichten ließ. Die positive Entwicklung der Stadt, der Karl IV. bereits die Halsgerichtsordnung, sowie das Recht zur Abhaltung von Jahrmärkten verliehen hatte, wurde im Laufe der Jahrhunderte durch verheerende Brände und die Wirren der Hussitenkriege gestört. Mitte des 16. Jahrhunderts übernahm Zacharias von Neuhaus die Herrschaft über Teltsch und es begann eine neue Blütezeit. Dieser gebildete und wohlhabende Adlige ließ die gotische Burg zu einem prächtigen Renaissanceschloss umbauen. Unter dem Einfluss der nach Teltsch berufenen italienischen Handwerker begannen auch die Bürger, ihre gotischen Häuser umzugestalten, woraus die heute typischen Giebel und Arkaden entstanden. Als das Geschlecht der Herren von Neuhaus im Mannesstamm erlosch, ging der Besitz im Jahr 1604 über Lucie Otilie an ihren Ehemann Wilhelm Slavata über.
Die Herrschaft der Slawatas war jedoch vom Dreißigjährigen Krieg gezeichnet, in dessen Verlauf die Stadt und das Umland von schwedischen sowie kaiserlichen Truppen geplündert wurden. Besonders prägend für die Geschichte dieser Epoche war die Gräfin Franziska von Meggau, die die Jesuiten nach Teltsch berief. Für diesen Orden ließ sie direkt gegenüber dem Schloss einen Jesuitenkolleg und eine Namen Jesu Kirche errichten. Zur gleichen Zeit entstanden ein jesuitisches lateinisches Gymnasium, eine Apotheke sowie eine Wetterstation. Nach dem Aussterben der Slawatas im Mannesstamm trat das Geschlecht Lichtenstein-Kastelkorn deren Nachfolge an, doch bereits 1761 verstarb Franz Anton ohne männlichen Erben. Durch eine Verwandtschaft in der weiblichen Linie übernahm 1762 Graf Alois Podstatzky den Besitz und vereinte die Wappen beider Häuser. Die Familie Podstatzky-Lichtenstein verwaltete Teltsch bis 1945, als ihre letzten Mitglieder nach Österreich vertrieben wurden.
Im 18. Jahrhundert erlebte der hiesige Bürgerstand einen Aufschwung, doch gleichzeitig brachten die radikalen josephinischen Reformen spürbare Veränderungen mit sich. Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahr 1773 wurde der Jesuitenkolleg in eine Kaserne umgewandelt. In der Folgezeit kam es auch zur Schließung des Gymnasiums sowie der Heilig-Geist-Kirche. Damit setzte eine Phase verstärkter Germanisierung ein, die das Schulwesen und das gesamte öffentliche Leben maßgeblich beeinflusste.
Einen neuen Impuls brachte erst das 19. Jahrhundert im Zeichen der Industrialisierung, als im ehemaligen Slawata-Hof die Josef Lang-Stofffabrik entstand. Das tschechische Nationalbewusstsein erwachte ab den 1860er Jahren erneut, dank der Einführung der tschechischen Sprache an den Schulen und der Aktivitäten von Vereinen wie Sokol oder Omladina. Ein wichtiger Meilenstein war der Anschluss von Teltsch an das Eisenbahnnetz Ende des 19. Jahrhunderts, was die Belebung und das Wachstum der gesamten Region weiter förderte.
Trotz der graduellen Modernisierung hat sich der Stadtkern sein einzigartiges Erscheinungsbild aus der Renaissance bewahrt. Der historische Marktplatz, das staatliche Schloss und die von Teichen umgebenen Gärten blieben fast unberührt, was 1992 zur Aufnahme des Zentrums von Teltsch in die UNESCO-Welterbeliste führte. Die Stadt ist zudem stolz auf ihre bedeutenden Persönlichkeiten, darunter den Historiker Jan Beringer (1848–1901), den Maler Jan Zrzavý (1890–1977), den Dekan Simeon Zapletal (1865–1955) sowie die akademische Malerin Bohumila Doleželová (1922–1993).
Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.telc.eu/turista_a_volny_cas/historie