Triesch
Die Stadt Triesch entstand im Verlauf des 13. Jahrhunderts im Zuge der Kolonisation des böhmisch-mährischen Grenzwaldes an der Kreuzung zweier bedeutender historischer Handelswege, des Löwetiner Weges und des Humpoletzer Weges. Die erste schriftliche Erwähnung der Siedlung stammt aus dem Jahr 1349 und steht im Zusammenhang mit der Pfarrkirche St. Martin, die zugleich die damalige Bedeutung Trieschs als geistliches Zentrum der umliegenden Region belegt. Im Laufe des Mittelalters gelangte Triesch schrittweise in den Besitz mehrerer Adelsgeschlechter, von denen insbesondere die Herren von Sternberg sowie später die Familie Vencelík eine prägende Rolle spielten. Während ihrer Herrschaft wandte sich die Stadt dem Luthertum zu; erst mit dem Machtantritt des Geschlechts Herberstein im 17. Jahrhundert setzte eine Rekatholisierung ein, durch die Triesch erneut katholisch geprägt wurde.
Eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Stadt spielten Handwerk und Zunftwesen. Bereits im 18. Jahrhundert wirkte in Triesch eine große Zahl von Handwerksmeistern, insbesondere Tuchmachern, die das Fundament der lokalen Wirtschaft bildeten. An diese Tradition knüpfte im 19. Jahrhundert die industrielle Entwicklung an, als in Triesch Fabriken zur Herstellung von Tuchen, Möbeln – insbesondere reich geschnitzter Uhrenschränke, die in zahlreiche europäische Länder exportiert wurden – sowie später auch von Zündhölzern entstanden. In der Folge entwickelten sich auch die Bekleidungs- und Maschinenbauindustrie, wodurch sich Triesch zu einem bedeutenden industriellen Zentrum der Region entwickelte.
Am Beginn dieses industriellen Aufschwungs standen auch jüdische Unternehmer aus der Stadt. Die jüdische Gemeinde besaß in Triesch tief verwurzelte historische Traditionen, die bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückreichen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten hier mehrere hundert jüdische Einwohner; in den folgenden Jahrzehnten ging ihre Zahl jedoch deutlich zurück. Den tragischen Höhepunkt der Geschichte der Gemeinde stellte der Holocaust dar, in dessen Verlauf die verbliebenen jüdischen Bewohner der Stadt deportiert und ermordet wurden. An die einst bedeutende jüdische Präsenz erinnern heute eine im Empirestil errichtete und nach dem Brand von 1824 erneuerte Synagoge sowie der jüdische Friedhof.
Auch die dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts hinterließen tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Der Widerstand der Bevölkerung gegen die nationalsozialistische Besatzung wird heute durch Gedenktafeln und Erinnerungsorte gewürdigt. Zu den eindringlichsten gehört der Gefängnishof, in dem während der Ereignisse im Mai 1945 insgesamt 33 Bürger Trieschs ermordet wurden.
Mit Triesch ist zudem eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten verbunden. Zu den bekanntesten zählt der Schriftsteller Franz Kafka, der sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wiederholt während der Sommerferien bei seinem Onkel in der Stadt aufhielt. Die Landschaft und Atmosphäre der Umgebung Trieschs fanden auch Niederschlag in seinem literarischen Werk, etwa in der Erzählung „Ein Landarzt“. An seinen Aufenthalt erinnern heute eine Büste am Haus seiner Verwandten sowie eine Ausstellung im Stadtmuseum.
Schließlich ist mit der Stadt auch eine Gründungslegende verbunden. Der Überlieferung zufolge entstand Triesch auf der Grundlage eines Traumes eines unbekannten Ritters, der an dieser Stelle eine Fee gesehen haben soll, die kleine Häuser um eine mächtige Eiche verteilte. Dieser Traum – das sogenannte „Třeštění“ – wurde zum symbolischen Impuls für die Gründung der Siedlung und soll der Stadt zugleich ihren Namen verliehen haben.
Quelle: https://turista.trest.cz/a8497e19-46f0-45c9-12b8-0e74d94910c1