Namiest an der Oslawa
Die Region war bereits in der Vorgeschichte besiedelt, eine systematische Besiedlung setzte jedoch erst im 12. Jahrhundert ein. Entlang des Flusses verlief eine bedeutende Verkehrsverbindung, die Brünn (Brno), Iglau (Jihlava) und Böhmen miteinander verband. Die erste urkundliche Erwähnung des Flusses Oslava stammt aus dem Jahr 1146, die erste Nennung von Náměšť datiert auf 1234, als die Burg im Besitz der Familie Mezeříčský von Lomnice war.
Burg und Stadt wurden wiederholt durch kriegerische Konflikte zerstört – von den Kumaneneinfällen im Jahr 1304, über Kämpfe zwischen den mährischen Markgrafen bis hin zu den Hussitenkriegen. Im 15. Jahrhundert gehörte das Herrschaftsgebiet dem Diplomaten Ctibor Tovačovský von Cimburk, mährischen Landeshauptmann und Juristen, der die tschechische Sprache als Amtssprache durchsetzte.
1481 gelangte Náměšť erneut an die Familie Mezeříčský von Lomnice, die dort eine Druckerei einrichtete, in der 1533 die erste tschechische Grammatik von Beneš Optát und Petr Gzel erschien. 1563 erwarb Jan der Ältere von Žerotín das Herrschaftsgebiet, errichtete ein ausgedehntes Renaissanceschloss und unterstützte die Brüderunität; deren Druckerei veröffentlichte später die berühmte Kralitzer Bibel. Nach der Schlacht am Weißen Berg verkaufte die Familie Žerotín das Gut an Albrecht von Wallenstein und anschließend an Jan Křtitel von Verdenberg, der Náměšť zur Stadt erhob und ihr ein Wappen verlieh.
Im 18. Jahrhundert erwarb Friedrich Wilhelm Haugvic das Herrschaftsgebiet, gründete ein Kapuzinerkloster sowie eine Stoffmanufaktur, was die städtische Entwicklung wesentlich förderte. Unter den Haugvic’schen Familien wurde Náměšť zu einem kulturell und musikalisch bedeutenden Zentrum Mährens; es entstand eine Schlosskapelle, ein Empire-Sommerpalais und eine barocke Bibliothek, die unter anderem die sechsbändige Kralitzer Bibel beherbergt.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Náměšť Sitz eines Bezirksgerichts und weiterer Behörden und 1886 an die Eisenbahnstrecke Brünn–Iglau angeschlossen. Während des gesamten 19. Jahrhunderts war die Stadt administrativ und kulturell deutsch dominiert; tschechische Vereinigungen bestanden nur am Rande. 1923 wurde Náměšť offiziell zur Stadt erhoben, und ihr erster Ehrenbürger wurde der Präsident T. G. Masaryk.
Quelle: https://www.namestnosl.cz/historie%2Dmesta/d-2730/p1=2576