Groß Meseritsch
Groß Meseritsch zählt zu den bedeutenden Städten im Südosten der Region Vysočina. Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Flüsse Oslava und Balinka in einem Talkessel der Böhmisch-Mährischen Höhe, dessen Lage für die Besiedlung und weitere Entwicklung günstig war. Heute ist Groß Meseritsch von den geschützten Naturgebieten Nesměř und dem Balinka-Tal umgeben. Die Stadt gewann schon früh an Bedeutung dank ihrer Nähe zur wichtigen Verkehrsachse zwischen Prag und Brünn. Der historische Stadtkern steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Neben seinem historischen Erbe ist Groß Meseritsch auch für sein lebendiges kulturelles Leben bekannt, darunter das Europäische Festival der Philosophie, das nur in wenigen europäischen Städten stattfindet.
Die Anfänge der Stadt stehen im Zusammenhang mit der Besiedlung des Oberlaufs der Oslava im 12. und 13. Jahrhundert, durch Přibyslav von Křižanov und sein Schwiegersohn Boček von Obřany. Die erste schriftliche Erwähnung von Groß Meseritsch stammt aus dem Jahr 1281, obwohl dort bereits in den 1230er Jahren eine der ältesten Adelsburgen Mährens bestand. Aus dem Mittelalter stammt auch die Pfarrkirche St. Nikolaus, das zweitälteste erhaltene Bauwerk der Stadt.
Groß Meseritsch erlebte in der Renaissance eine Blütezeit, wovon noch einige erhaltene Häuser mit Sgraffiti zeugen. Das wertvollste ist das prachtvolle ehemalige lutherische Gymnasium. Diese positive Entwicklung wurde jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen, während dessen die Stadt achtmal niedergebrannt wurde und viele Gebäude verfielen. In dieser Zeit entstand hier auch eine eigenständige jüdische Gemeinde, obwohl die ersten Erwähnungen von Juden schon aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammen. Die jüdische Gemeinschaft wurde zu einem wichtigen Teil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt.
Eine zweite Blütezeit erlebte die Stadt in 18. Jahrhundert unter der Herrschaft von Maria Theresia und Joseph II. Groß Meseritsch wurde Sitz eines Kreisamtes des Iglauer Kreises, und seine Bedeutung wuchs zusätzlich durch den Bau der Kaiserstraße zwischen Brünn und Iglau. Die Stadt war vorwiegend handwerklich geprägt und bekannt für die Herstellung von Textilien, Strümpfen und Tuchwaren. Die Handwerker verkauften ihre Waren auf Jahrmärkten oder lieferten sie teilweise ans Militär. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde Groß Meseritsch schrittweise industrialisiert, die erste Fabriken sind entstanden, und der Anschluss an das Eisenbahnnetz brachte weiteren Aufschwung.
In Groß Meseritsch fanden 1909 die kaiserlichen Manöver statt. Teilgenommen haben die höchsten Vertreter der Habsburgermonarchie und des Deutschen Kaiserreichs, darunter Kaiser Franz Joseph I., Thronfolger Franz Ferdinand d’Este und der deutsche Kaiser Wilhelm II. Eng mit der Stadt verbunden ist Graf Franz Maria Alfred von Harrach, Adjutant des Thronfolgers, der 1914 in Sarajevo beim Attentat versuchte, Franz Ferdinand zu schützen, und ihm nach der Verwundung Blut von den Lippen wischte.
Die Zwischenkriegszeit brachte eine weitere industrielle Entwicklung und den Ausbau der bürgerlichen Gesellschaft mit neuen Schulen, Betrieben und Institutionen. Der Zweite Weltkrieg bedeutete jedoch einen tragischen Einschnitt. Im Jahr 1942 wurde die jüdische Bevölkerung von Groß Meseritsch und der Umgebung deportiert, womit die örtliche jüdische Gemeinde erlosch. Das Kriegsende wurde von der sog. Tragödie von Groß Meseritsch überschattet, die sich am 7. Mai 1945 ereignete. Während des Aufstands wurden sechzig Widerstandskämpfer aus der Stadt und ihrer Umgebung von der deutschen Wehrmacht hingerichtet, und bei der Bombardierung der Stadt durch die sowjetische Armee kamen weitere vierzig Menschen ums Leben.
Die Nachkriegszeit brachte den Wiederaufbau sowie eine weitere gesellschaftliche Entwicklung, inklusive des Gedenkens an die tragischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Der historische Charakter von Groß Meseritsch zeigt sich heute in zahlreichen Denkmälern, darunter das Schlossareal, das durch den Umbau der ursprünglichen mittelalterlichen Burg entstand, die Pfarrkirche St. Nikolaus sowie das historische Rathaus. Als Erinnerung an die jüdische Gemeinde sind die alte und neue Synagoge, der Friedhof und Elemente des ehemaligen jüdischen Viertels erhalten. Kulturelle Institutionen und eine öffentlich zugängliche Datenbank bewahren zudem das Gedenken an die Holocaust-Opfer der Stadt. Diese enthält derzeit biografische Angaben zu mehr als achtzig Personen, die am 14. Mai 1942 deportiert wurden.
Mit Groß Meseritsch sind zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten des kulturellen Lebens verbunden, darunter der Schriftsteller und spätere Bürgermeister Vladimír Čech, Bruder von Svatopluk Čech, sowie der Heimatforscher Rudolf Dočkal. Zu den literarischen Persönlichkeiten zählen auch der Dichter Vladimír Binar und die Autorin von Erzählungen aus dem mährischen ländlichen Milieu Františka Stránecká, manchmal auch „mährische Božena Němcová“ genannt. Bedeutende Spuren hinterließen zudem der Architekt Vladimír Neuman, Gründer des Horácké-Theaters, und der Schauspieler und Drehbuchautor Jaroslav Zrotal. Zu den jüngeren Persönlichkeiten gehört die Schriftstellerin Jaroslava Blažková, deren Werke für Kinder und Jugendliche von Groß Meseritsch inspiriert wurden.
Weiterführende Informationen zur Geschichte der Stadt finden Sie hier:
https://www.velkemezirici.cz/o-meste/historie
Die Datenbank der Holocaustopfer finden Sie hier:
https://pamatnikholocaustu.velkemezirici.cz/
Autoren
Links
| Die Geschichte der Stadt Groß Meseritsch |
| Datenbank der Holocaustopfer |