Großbittesch


Die Stadt Groß Bittesch liegt in Mähren, im Bezirk Saar (Žďár nad Sázavou), im östlichen Teil der Böhmisch-Mährischen Höhe, etwa 30 km von Brünn entfernt. Sie ist Teil der Region Hochland und zählt zu deren mikroregionalen Zentren.

Die Stadt entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als landesherrlicher Sitz. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1240, als der böhmische König Wenzel I. das Patronatsrecht der örtlichen Kirche dem Kloster Tišnov übertrug. Während Groß Bittesch im 14. Jahrhundert noch in königlichem Besitz war, ging die Stadt später an bedeutende Adelsgeschlechter über. Eine Blütezeit erlebte sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts unter Lacek von Krawarn. Da sich Handwerk und Handel positiv entwickelten, erhielt Velká Bíteš im Jahr 1408 schließlich die vollen Stadtrechte.

Einen interessanten Einblick in den mittelalterlichen Alltag bietet das Stadtbuch von Groß Bittesch aus dem Jahr 1414. Es dokumentiert die Vielfalt der damaligen Handwerke, wie etwa Metzger, Schuster, Schneider, Kürschner, Weber und Tuchmacher.

Ab 1480 gehörte Groß Bittesch den Herren von Lomnitz und später den Zierotinern. Unter ihrer Verwaltung erlebte die Bürgerschaft einen wirtschaftlichen Aufschwung; der Gemeindebesitz wurde erweitert und die Stadt erwarb zusätzliche Privilegien. Diese positive Entwicklung endete jedoch jäh mit dem Dreißigjährigen Krieg. Ende 1620 wurde die Stadt erstmals schwer geplündert von kaiserlichen Truppen, die von der Schlacht am Weißen Berg heranzogen. In der Folge war die Stadt gezwungen, Grundstücke zu verkaufen. Am Ende des Krieges standen fast 46 % der Häuser leer, was die weitere Entwicklung erheblich beeinträchtigte.

Einen bedeutenden Wendepunkt markierte das 18. Jahrhundert, als Kaiser Joseph II. im Jahr 1783 die Stadt besuchte. Kurz darauf wurde Groß Bittesch an die neu errichtete Kaiserstraße von Iglau nach Brünn angeschlossen. Der Bau dieser Straße zwischen 1783 und 1787 steigerte die Bedeutung der Stadt als Verkehrs- und Wirtschaftsknotenpunkt erheblich. Dennoch blieb der Charakter von Velká Bíteš noch lange Zeit vorwiegend durch Landwirtschaft und Handwerk geprägt

Ein grundlegender Wandel setzte erst im 20. Jahrhundert mit der Gründung der Ersten Brünner Maschinenfabrik ein, die die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt und ihrer Umgebung nachhaltig prägte. Einen weiteren Impuls brachte der Bau der Autobahn D1, die teilweise das fehlende Eisenbahnanschluss ersetzte. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik kam es zur Modernisierung der Stadt: Es wurden Elektrizität und Telefon eingeführt, ein Stadtmuseum, eine Bibliothek sowie eine Gewerbeschule gegründet, und das Vereinsleben entwickelte sich lebhaft, insbesondere im Rahmen des Turn- und Kulturvereins Sokol.

Nach 1989 wurden in Groß Bittesch die Traditionen der Volkskultur erneuert. Zu den bedeutendsten Festen zählen die Groß Bittesch Kirchweihfeste mit dem Dorfrichter und dem traditionellen Recht, die zu den größten folkloristischen Veranstaltungen der mittleren Podhorácko-Region gehören.

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören die Wehrkirche Johannes des Täufers sowie der Masaryk-Platz mit dem Rathaus, der Statue des hl. Johannes von Nepomuk und zwei Brunnen. In der Stadt befinden sich außerdem zwei Freiheitslinden, die an die Gründung der Tschechoslowakei und deren fünfzigjähriges Jubiläum erinnern.

Groß Bittesch ist zudem Geburts- oder Wirkungsort zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten des kulturellen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens. Dazu zählen der Priester und Komponist Jan Bádal (1856–1925), der Lehrer, Musiker und Historiker Jan Kapistrán Tiray (1858–1925), der Universitätsprofessor Karel Zapletal (1903–1972), der Lehrer und Übersetzer Josef Sedlák (1922–2007), der Philosoph und Schriftsteller Miloslav Nováček (1924–2005) sowie der Architekt Maurus Kallina (1844–1913).

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://www.historickasidla.cz/redakce/index.php?xuser=&lanG=cs&dr=531
https://www.bitessko.com/turistika/historie-velke-bitese


Autoren

Unvollendet
Maurus Kallina

Geburtsdaten
17.09.1844
Großbittesch

Sterbedaten
04.05.1913
Budapest