Lippein


Die erste schriftliche Erwähnung von Lipina und Stachov stammt aus dem Jahr 1296, als sie als Lipinie und Stachova ves bezeichnet wurden und zur Herrschaft Sternberg gehörten, die ein bedeutendes feudales Herrschaftsgebiet in der Region darstellte. Beide Dörfer waren untertänige Siedlungen, deren Bewohner der Herrschaft in Sternberg unterstanden, Abgaben leisteten, Frondienste verrichteten und der herrschaftlichen Verwaltung sowie Gerichtsbarkeit unterlagen.

Im Mittelalter wiesen Lipina und Stachov überwiegend einen landwirtschaftlichen Charakter auf. Um das Jahr 1600 treten zunehmend eingedeutschte bzw. deutsche Orts- und Personennamen auf. Dies lässt sich auf die neuen Herren der Herrschaft Sternberg, die Münsterberger (1570–1647), zurückführen. Es ist möglich, dass in dieser Zeit auch neue Siedler aus Schlesien eintrafen, da die Besitzer der Herrschaft zugleich schlesische und oelsnische Herzöge sowie Grafen von Glatz waren, was die Mobilität von Bevölkerung sowie kulturelle und sprachliche Einflüsse erleichterte. Dadurch setzte eine schrittweise Germanisierung der Region ein, die sich sowohl in schriftlichen Quellen als auch in der lokalen Namensgebung widerspiegelt. Im Jahr 1640 wurde das Gebiet zudem von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges betroffen, die einen Bevölkerungsrückgang, die Verwüstung eines Teils der Wirtschaftsstruktur und einen allgemeinen Produktionsrückgang verursachten. Der Wiederaufbau erfolgte schrittweise in den folgenden Jahrzehnten.

Nach der Aufhebung der Untertänigkeit im Jahr 1848 wurden Lipina und Stachov in das neue Verwaltungssystem der Habsburgermonarchie eingegliedert und als selbständige Gemeinden im Bezirk Sternberg geführt. Damit erfolgte die Trennung von der herrschaftlichen Verwaltung und der Übergang zur kommunalen Selbstverwaltung. Im Jahr 1867 wurde Lipina von einem Brand betroffen, der einen Teil der Bebauung zerstörte und einen anschließenden Wiederaufbau erforderlich machte.

Nach 1918 wurden beide Gemeinden Teil der Tschechoslowakischen Republik, jedoch im Jahr 1938 infolge des Münchner Abkommens dem Deutschen Reich angeschlossen. Im Jahr 1938 wurden beide Orte von deutschen Truppen besetzt. Die anfängliche Zustimmung der Bevölkerung wich im Verlauf des Krieges, da ab September 1939 Männer an die Front eingezogen wurden und die Lieferpflichten für die Kriegswirtschaft die landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend belasteten. Aufgrund des Arbeitskräftemangels wurden zudem Arbeitskräfte aus den besetzten Gebieten Polens und der Ukraine in die landwirtschaftlichen Betriebe des Sternberger Landrats zur Arbeit eingesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung und zur anschließenden Neubesiedlung durch tschechische Einwohner, was die demografische Struktur der Region grundlegend veränderte. Im Jahr 1950 wurden Lipina und Stachov administrativ zu einer Gemeinde zusammengeschlossen.

Im Jahr 1974 wurde die Gemeinde im Zuge der Zentralisierung der öffentlichen Verwaltung in die Stadt Sternberg eingegliedert. Im Jahr 1990 erfolgte jedoch auf Grundlage einer Entscheidung der Einwohner die Wiederherstellung der Selbstständigkeit. Seitdem fungiert Lippein als eigenständige Gemeinde mit eigenem Gemeindeamt und kommunaler Selbstverwaltung.

Die Quelle: https://www.lipina.eu/obec/historie-obce/


Autoren

Ludwig Hohenegger

Geburtsdaten
21.02.1807
Memmingen

Sterbedaten
25.08.1864
Teschen