Neu Erbersdorf
Die Anfänge der Besiedlung des heutigen Neu Erbersdorf reichen bis etwa 1220 zurück, als die Kolonisation des Gebietes zwischen Zottig und dem Freudenthaler Land einsetzte. Ausschlaggebend war vor allem der Abbau von Eisenerz. Während die tiefer gelegenen Gebiete überwiegend landwirtschaftlich genutzt wurden, siedelten sich in den höher gelegenen, dicht bewaldeten Regionen Bergleute und Kolonisten an, die neben der einheimischen slawischen Bevölkerung insbesondere aus Sachsen und Niederschlesien stammten. Die Kolonisation wurde zunächst von Markgraf Wladislaw Heinrich geleitet und nach dessen Tod von König Přemysl Otakar I. fortgeführt. Einen wichtigen Beitrag leistete zudem das Zisterzienserkloster Welehrad.
Die erste urkundliche Erwähnung von Neu Erbersdorf stammt aus dem Jahr 1406, als der Ort in den Landtafeln des Herzogtums Jägerndorf als Besitz des Sigmund Znata von Hynčice verzeichnet wurde. Im Jahr 1411 ging das Gut auf Margarethe von Hynčice über; etwa zwanzig Jahre später wurde es an Bohuš, Christoph und Johann von Zottig übertragen. Während der Hussitenkriege (1420–1430) wurde das Dorf verwüstet. Ein Teil der Bevölkerung kam ums Leben, andere Einwohner wurden verschleppt und zu Zwangsarbeiten herangezogen.
Ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte nach 1530 ein, als Neu Erbersdorf an den Montanunternehmer Markus Weiczinger von Weiczing verpachtet wurde. Der Ausbau des Eisenerzbergbaus und der Hüttenwerke in Neu Erbersdorf, Karlsthal, Markersdorf und Freudenthal führte zu einer verstärkten Zuwanderung von Bergleuten und einem deutlichen Bevölkerungswachstum.
Der Dreißigjährige Krieg traf den Ort schwer. Wiederholte Truppendurchzüge führten zur Zerstörung von Wohnhäusern, zu Beschlagnahmungen von Eigentum, Zwangsarbeit und Versorgungsengpässen. Gleichzeitig setzte die Rekatholisierung ein, in deren Verlauf die protestantischen Geistlichen die Region verlassen mussten.
Weitere tiefgreifende Veränderungen brachte der Österreichische Erbfolgekrieg nach 1740. Mit dem Frieden von Breslau im Jahr 1742 wurde das Jägerndorfer Land zu einem Grenzgebiet der Habsburgermonarchie.
Nach den Napoleonischen Kriegen zog ein aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrendes Regiment durch Neu Erbersdorf und verursachte nach Angaben der Ortschronik erhebliche Sachschäden.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden 1834 Katasterkarten und Grundbücher angelegt. Die Missernte des Jahres 1847 führte zu einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise sowie zu Hunger und sozialen Spannungen. Einen wesentlichen Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung stellte der Bau der Mährisch-Schlesischen Zentralbahn dar. Die Eisenbahnverbindung von Olmütz über Freudenthal, Neu Erbersdorf und Jägerndorf wurde im April 1871 in Angriff genommen.
Beide Weltkriege prägten die Geschichte des Ortes nachhaltig. Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns im Jahr 1918 wurde Neu Erbersdorf Teil der Tschechoslowakei. 1938 besuchte Adolf Hitler den Ort. Während des Zweiten Weltkriegs fanden in Neu Erbersdorf keine unmittelbaren Kampfhandlungen statt, zahlreiche Einwohner fielen jedoch an den Fronten.