Peter Engelmann


Unvollendet
Geburtsdaten
1892
Olmütz
Sterbedaten
16.03.1939
Olmütz

Verbindungen
Erik Jan Hanussen

Maler, Karikaturist, Dichter; eine der Zentralpersonen des Intellektuellenkreises um seinen Bruder ®Paul Engelmann. Lebte seit 1919 – nach seiner Hochzeit mit Anna Pölz – meistens in Wien, später in Berlin, wo er eine Zeitlang auch Chefredakteur der Berliner „Maler-Zeitung“ war und für satirische Zeitschriften Karikaturen zeichnete. Nach dem nationalsozialistischen Putsch 1933 verließ er Deutschland und übersiedelte nach Wien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 ging er nach Palästina, wo sein Bruder Paul bereits seit 1934 lebte. Das dortige Klima sagte aber seiner Frau nicht zu und so fasste das Paar nach einem kurzen Aufenthalt einen schicksalsschweren Entschluss – es kehrte zurück, allerdings nicht nach Wien, sondern in die damals noch bestehende, freilich bereits akut bedrohte Tschechoslowakei, nach Olmütz. Unmittelbar nach der Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen nahmen sich Peter und Anna Engelmann, der wiederholten „Rückzuge“müde, „freiwillig“ das Leben.

1918 erschien in Wien Engelmanns Broschüre Die Welt als Unwille. Die darin enthaltenen Zeichnungen und Verse beziehen sich auf Olmützer Gestalten und Milieu, allerdings mit dem Vorhaben, eine bösartige Kritik von allmennschlicher Reichweite auszusprechen, deren Thematik und Ton von der Atmosphäre der akuten gesellschaftlichen Krise geprägt sind. Mit Widerwillen und Hass, mit Pathos des Moralismus und Pazifismus wird alles Böse und Lächerliche angegriffen, was man damals mit den Begriffen „Bourgeoisie“, „Speißertum“, „Patriziat“ zu verbinden pflegte.

Peter Engelmann war Autor vieler satirischer Zeichnungen und grauenerregender, allegorischer und mythologisierender Litographien. Allerdings sind die „oft haarsträubenden scharfen Karikaturen, die mein Bruder von Wittgenstein und allen Beteiligten unseres Kreises in unerschöpflicher Fülle machte, in der Hitlerzeit verlorengegangen“, wie sein Bruder Paul berichtet. Von den herausgegebenen Werken sind erhalten: Die Mappe H.H.H.Porträts (Wien 1928) enthält 11 von Vierzeilern begleitete Porträts, die Mappe Lache, Meduse (Berlin 1930) besteht aus 15 Litographien. Die Einführung zu diesem Zyklus schrieb Engelmanns Bekannter Erik Jan Hanussen, der von der „grausamen Tragik“ des Bilderbuches und von der inneren Verwandschaft der Engelmannschen Bilder mit Andersens Märchen spricht.

Peter Engelmann ist auch öffentlich aufgetreten. In Wien und in Olmütz hielt er Vorträge und veranstaltete Ausstellungen von Karikaturen. Bei Gelegenheit einer seiner Lesung in Olmütz hat er Karikaturen von den mit ihm diskutierenden Personen angefertigt u.a.

Ludvík Václavek, Olmütz

 

Selbständige Publikationen:

Die Welt als Unwille.

H.H.H.Porträts. ien 1928

Lache, Meduse. Berlin 1930

 

Sekundärliteratur:

Václavek, Ludvík: Malíř Peter Engelmann. In: Střední Morava Nr. 4 (1997), S. 99.101.

Schneider, Ursula A.: Vom „Wittgensteinhaus“ zum „Café Techelet“. In: Schneider, Ursula A.: Paul Engelmann. Architektur. Judentum, Wiener Moderne. Wien 1999, S. 120-127.

 

Links

Sittengeschichte von Peter Eng, gescannt