Dr. Viktor Moritz Peter Maria Ritter von Bauer-Rohrfelden entstammte einer nobilitierten Unternehmerfamilie. Sein Großvater mütterlichseits war der mährische Historiker Petr Chlumecký.
Bauer besuchte das deutsche Gymnasium in Brünn und studierte Jura in Leipzig, Genf und Wien. Nach dem Absolutorium und dem Abbruch einer vielversprechenden militärischen Laufbahn widmete er sich der Zuckerindustrie, indem er Aktienanteile mehrerer mährischer Zuckerfabriken besaß (Rohrbach u. a.). Mit seiner Frau Margaretha erzogen sie zwei Töchter und zwei Söhne. Der älteste Sohn stammte aus der ersten Ehe von Frau Bauer.
Der Autor war im freundlichen Kontakt mit bedeutenden Künstlern der Zeit. Im Wiener Belvedere befindet sich Bauers Porträt von Egon Schiele, ein anderes Bildnis von ihm wurde von Oskar Kokoschka angefertigt. Die funktionalistische Villa in Rohrbach wurde für den Unternehmer von Adolf Loos entworfen. Zusammen mit Erwin Hanslik und Edmund Küttler gründete Bauer in Wien das Institut für Kulturforschung finanzierte seine Tätigkeit. Eines der Ziele des Instituts war eine eigene Konzeption gegen das deutsche sog. Mitteleuropa. An diese Überlegungen knüpfte Bauer später in seinem bedeutendsten Werk Zentraleuropa an.
Wie auch andere Adelige der Jahrhundertwende unternahm Viktor Bauer zahlreiche Reisen in exotische Teile der Welt wie China, Japan oder den Pazifikraum. Vor allem China gewann in Bauers Leben eine besondere Bedeutung. Sowohl er, als auch seine Kinder lernten die chinesische Sprache. Unter dem Einfluss des Mystikers Bô Yin Râ (Josef Anton Schneiderfranken) versuchte er in seinen Schriften orientalische Denkweisen in das europäische Geistesleben zu integrieren. Im Vortrag Sinn und Aufgaben der chinesisch-österreichischen Kulturvereinigung (1937) präsentiert er China als eine mögliche Inspiration für das geistige Leben Europas. Er interessierte sich auch für Horoskope, Kabbalah oder Numerologie und war Mitglied sowohl der Freimauerloge in Brünn, als auch der geheimen Gesellschaft EBDAR, in deren Zeitschrift Die Säule er auch publizierte (Das Werden Europas).
Das essayistische Werk von Viktor Bauer kombiniert in sich Elemente der orientalischen Mystik, des europäischen Internationalismus und teilweise auch des mährischen Landespatriotismus. In der Publikation Zentraleuropa (1936) entwirft er mit großem Selbstbewusstsein seine eigene Konzeption des zentraleuropäischen Raums, indem ganze Völker als lebendige Organismen begreift („Völkerbiologie“). Das ganze Europa besteht laut Bauers Buch aus drei Elementen: dem materialistischen, leistungsbezogenen, aber auch alternden „Westen“, dem naturnahen und vitalen slawischen „Osten“, der dem friedlichen yin-Prinzip entspricht, und den vermittlenden Juden („Orient“). Die kulturtragende Rolle im doch etwas zurückgebliebenen „Osten“ schreibt der Autor schließlich den Deutschen zu, obwohl er sich sonst gegen die germanozentrische Mitteleuropa-Idee abgrenzt. Bauers Zentraleuropa, die ideale Übergangsregion, erstreckt sich zwischen Danzig, Triest, Königsberg und Odessa, aber in der Definition spielen auch biologische, geographische, ökonomische sowie linguistische Kriterien eine Rolle.
Ein ziemlich ungewöhnliches Element in Bauers Gedanken bezeichnet Milan Horňáček als „Rassismus mit umgekehrten Vorzeichen“. Bauer plädiert für die „Rassenmischung“, der die Zentraleuropäer ihre spezifische Stellung und Eigenschaften verdanken. Bauer versucht aber nicht, eugenische Eingriffe zu planen, sondern er betont die instinktive Natur dieses Prozesses. Die Tschechoslowakei und insbesondere Mähren stellen für Bauer den idealen Raum für die Entstehung des übernationalen Europäers.
Bauer versuchte, die Politiker auf sein vor dem Nationalsozialismus warnendes Buch aufmerksam zu machen und in einer Widmung für den tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Milan Hodža soll er sich zu J. A. Komenský, F. Palacký und P. Chlumecký als seinen mährischen Vorbildern gemeldet haben.
Im tschechisch geschriebenen Text Co jsem prožil u nás po převratu (Was ich seit dem Umsturz bei uns erlebte, 1929) wendet sich der Autor an die tschechische Nation und erinnert sich an die Gründungsjahre der Republik aus der Perspektive eines Großgrundbesitzers. Seine Zugehörigkeit zum (aufgehobenen) Adel betont er aber nicht, was Lucie Laníková in ihrer Studie als eine Folge davon erklärt, dass die Familie Bauer nicht zu den alten, sondern zu den im 19. Jh. nobilitierten Geschlechtern gehörte.
Die hier formulierte Kritik, die z. T. freilich auch persönlich, durch den Verlust eines großen Teils des Familienbesitzes , motiviert war, richtet sich v. a .gegen die Bodenreform und die Minoritätenpolitik der ČSR, die Bauer als kurzsichtig und ihre Folgen als fatal betrachtet. Die Idee eines "reinen" Nationalstaates sei grundsätzlich verfehlt, denn sie lasse sich nie und niemals verwirklichen und auch wenn sie sich verwirklichen ließe, wäre das fatal, denn die Natur fordert nach Bauer Diversität sowohl der Individuen als auch ganzer Völker. Je größer die Diversität, desto erfolgreicher das entsprechende Individuum oder Volk. In gleichem Atemzug kritisiert Bauer ebenfalls den überspannten Nationalismus (ein Schlüsselthema auch seiner späteren Werke), der in Europa immer mehr Schäden anrichte, und entwickelt das Konzept eines "wahren Nationalismus", der dank seiner gesamteuropäischen bzw. gesamtmenschlichen Ausrichtung imstande sein soll, andere Nationen zu respektieren. Um diesen "wahren Nationalismus" verwirklichen zu können, sei es notwendig, sich auf das gemein Europäische bzw. Menschliche zu konzentrieren und das gegenseitige Misstrauen zwischen den Völkern zu überwinden, wozu besonders die Slawen fähig seien.
(Milan Horňáček: Zentraleuropa als "lebendiger Organismus" Viktor Bauers Zivilisationskritik im Kontext der Mitteleuropa-Konzeptionen der Zwischenkriegszeit. In: Germanoslavica, Jahrgang 24, 2013, Nr. 2, S. 18-34, hier 25-26.)
Bauer starb auf seinem Schloss Kunewald, wo an seine Persönlichkeit im Rahmen der Führungen erinnert wird.
Bearbeitet von Adam Vlček aufgrund der Sekundärliteratur.