Fulnek


Die Stadt Fulnek befindet sich 30 km südlich von Troppau und liegt auf der historischen Grenze zwischen Schlesien und Mähren, ungefähr 5 700 Menschen leben hier auf der Fläche von 6 846 Hektar.

Die Gründer der Stadt sind höchstwahrscheinlich die Herren von Lichtenburk, die das Landstück in der damaligen Region Troppau von Přemysl Otakar II. bekamen und hier eine Stadt bauten. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1293 und schon damals wurden die Kirche, die Burg und die Pfarrei beschrieben. Die Stadt war vermutlich als eine größere Herrschaft geplant und die Bürger von Wagstadt (Bílovec) sollten zu der Herrschaft von Fulnek und ihrer Verwaltung gehören. Beweise für diese Vermutung sind der ungewöhnlich große Platz in Fulnek und der früher existierende Handelsweg aus dem Platz. 

Deutschsprachige Bürger und der Adel waren in der Mehrheit unter den Siedlern und die Amtssprache in Fulnek war lange Zeit Deutsch. Das war auch der Fall im 15. und 16. Jahrhundert, als die Stadt zur wohlhabenden Renaissance Stadt wuchs. Im Jahr 1481 gehörte die Stadt offiziell zu Mähren und zwei Jahre danach zur evangelischen Gemeinschaft Unität der Böhmischen Brüder (Jednota Bratrská auf Tsch.). Zu dieser evangelischen Gemeinschaft gehörte auch der bekannte Schriftsteller, letzte Bischof der Gemeinschaft und der sogenannte Lehrer der Nationen, Jan Amos Comenius (Jan Amos Komenský auf Tsch.), der in Fulnek zwischen 1618-1621 lebte. In diesem Zeitraum schrieb er manche von seinen Büchern und Schriften wie z. B. „Briefe an den Himmel“ oder die später veröffentlichte Karte von Mähren. Weil J. A. Comenius den Aufstand der protestantischen böhmischen Stände gegen den habsburgischen Kaiser Ferdinand II. unterstützte, musste er im Jahr 1621 aus der Stadt fliehen, als die kaiserliche Armee der Stadt nahte.

Der dreißigjährige Krieg zerstörte große Teile der Stadt und hinterließ tiefe Spuren. Nach dem endgültigen Ende des Krieges mit dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 mussten die Bewohner hohe Steuer an die Obrigkeit zahlen und sehr hart arbeiten, fast bis zur Leibeigenschaft. Auch die Rekatholisierung der Stadt war problematisch und die unter schweren Lebensbedingungen lebenden Bürger ließen sich nicht einfach überzeugen. Dieser katholischen Umkehr sollte sowohl das früher gebaute Kloster der Kapuziner (1389 errichtet) dienen, als auch das neu gebaute Kloster der Augustiner, das im Jahr 1688 errichtet wurde.

Im 17. und 18. Jahrhundert begann die Umwandlung und der Aufbau der Stadt im barocken Stil, wodurch der Anblick der Stadt rasant verändert wurde. Die Bauwerke verwandelten im Laufe der Zeit Fulnek in einen der prächtigsten und wertvollsten barocken Architekturschätze in Mähren. Am Ende des 18. Jahrhunderts und mit dem Anfang der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert stieg die Anzahl der Webereihandwerke und Tuchweber schnell und das damit verbundene Einkommen der Stadt.

Vor dem Ersten Weltkrieg wuchs der Einfluss der radikalen, nationalistischen, deutschen Arbeiterpartei immer weiter und nach dem Ende des Krieges und der Gründung der Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1918 verlangten viele Bürger und Stadtführer die Trennung der Stadt von der neu entstandenen Republik. Die tschechoslowakische Regierung probierte eine schnelle Lösung für die Situation in den 20er und 30er Jahren und hatte teilweise Erfolg damit, dennoch blieb die Stadt auf der Seite der Deutschen bzw. Sudetendeutschen und im Laufe des Zweiten Weltkrieg, zwischen den Jahren 1938-1945, wurde Fulnek ein Zentrum der deutschen Umsiedlungsoperationen und weiteren administrativen Aufgaben im Sudetenland.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges war ein großer Teil des historischen Zentrums zerstört und niedergebrannt, die meisten Häuser und fast der ganze Hauptplatz waren dem Boden gleich gemacht und nur der Stadtturm und ein paar Wände blieben stehen. Trotzdem überlebten die wichtigsten Bauten der Stadt, wie das Schloss, das Augustinerkloster oder das Haus der Gemeinschaft Unität der Böhmischen Brüder nur mit leichtem Schaden oder sogar fast unberührt, weil sie sich nicht im Zentrum von Fulnek befanden.

Die Renovierung der Stadt führte der Architekt Z. Sedláček aus Brünn im Jahr 1948 durch und das Stadtzentrum wurde in den 50er und 60er Jahren erfolgreich neu aufgebaut. Alle anderen Gebäude wurden ebenfalls saniert und die Burg wurde zum letzten Mal im Jahr 2012 renoviert.

Heutzutage lebt die kleine Stadt in Frieden und bietet viel Interessantes für alle Touristen an, wie z. B.: das Museum der Gemeinschaft Unität der Böhmischen Brüder, das Denkmal für Jan Amos Comenius, die Dreifaltigkeitskirche, das Schloss oder das Augustinische Kloster. Die Stadt ist durch die Geschichte und Kultur mit Mähren und Schlesien eng verbunden und Autoren wie z. B.: Jakob Julius David, Felix Georg Jaschke oder Domitius Stratil hatten Verbindungen zu Fulnek im Laufe ihrer Leben. Auch andere Künstler wie Bořek Zeman, Antonín Brosmann oder Adolf Turek haben ihre Wurzeln hier und die Stadt bleibt bis heute geographisch, historisch und kulturell bedeutend.

(Jan Celta, Student)


Autoren

Jakob Julius David

Geburtsdaten
06.02.1859
Mährisch Weißkirchen

Sterbedaten
20.11.1906
Wien

Felix Georg Jaschke

Geburtsdaten
24.04.1756
Fulnek

Sterbedaten
20.11.1831
Fulnek

Unvollendet
Domitius Stratil

Geburtsdaten
1862
Nimlau bei Olmütz