Ungarisch Hradisch
Ungarisch Hradisch liegt am linken Ufer der March in der Nähe von Zlin. Dank des fruchtbaren Bodens und der strategisch günstigen Lage zählt es zu den ältesten Siedlungsgebieten Tschechiens. Erste Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis in die Steinzeit zurück und seit dem frühen 9. Jahrhundert ist das Gebiet dauerhaft von slawischen Stämmen bewohnt.
Südostmähren sah sich im 13. Jahrhundert wiederholten feindlichen Überfällen ausgesetzt, von denen neben der Bevölkerung auch das Kloster Velehrad betroffen war. Daher wandte sich Abt Hartlib über den Bischof von Olmütz an den Herrscher mit einer Bitte um Schutz. Zentrum des Gebiets war damals die nach der dortigen Kapelle benannte St.-Georgs-Insel. An diesem Ort gründete König Přemysl Ottokar II. am 15. Oktober 1257 eine Festungsstadt, die sowohl dem Schutz der Landesgrenze als auch des Klosters Velehrad dienen sollte. Die neu gegründete Stadt besaß anfangs keinen festen Namen und war kurzzeitig als Nový Velehrad bekannt. Erst 1294 wurde sie in den Quellen erstmals als Hradisch erwähnt. Der Namenszusatz „Ungarisch“ ist seit 1587 belegt, setzte sich jedoch erst gegen Ende des 17. und im Laufe des 18. Jahrhunderts als regelmäßige Bezeichnung durch.
Die historische Entwicklung von Ungarisch Hradisch war über Jahrhunderte von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Die Stadt verteidigte sich gegen die Einfälle der Kumanen im 16. Jahrhundert, gegen die Belagerungen während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert sowie gegen spätere osmanische Einfälle. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Stadt Ziel preußischer Feldzüge, dabei wurde sie 1742 zum einzigen Mal in ihrer Geschichte eingenommen.
Die jüdische Gemeinde in Ungarisch Hradisch existierte bereits seit 1342; während der Hussitenkriege legte sie einen eigenen Friedhof außerhalb der Stadtmauern an. Obwohl die Juden 1514 aus der Stadt vertrieben wurden und erst nach 1848 wieder mit vollen Rechten zurückkehren durften, gelang es ihnen 1875 eine repräsentative Synagoge zu errichten. Die nationalsozialistische Besetzung im März 1939 leitete die Vernichtung der Gemeinde ein. Teile der Bevölkerung beteiligten sich am Widerstand gegen die Nationalsozialisten und auf Initiative des Legionärs František Šlerka wurde das Hauptquartier der Untergrundorganisation Obrana národa (Verteidigung der Nation) in der Stadt errichtet. Parallel dazu begann die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Insgesamt 325 jüdische Bürger wurden nach Theresienstadt deportiert und der jüdische Friedhof wurde zerstört. Einige der geretteten Grabsteine sind heute Teil einer Gedenkstätte im Ortsteil Sady (ehemals Derfle).
Ungarisch Hradisch bildet das Zentrum der Mährischen Slowakei, einer für ihre Folklore und Volkstraditionen bekannten Region. Der historische Stadtkern steht unter städtebaulichem Denkmalschutz und wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch repräsentative Bauten wie das Neue Rathaus und den Justizpalast ergänzt. In diese Epoche fällt auch die Gründung des Gymnasiums im Jahr 1884 als älteste tschechische Mittelschule der Region. Das heutige kulturelle Leben stützt sich auf das Museum der Mährischen Slowakei sowie das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Theater der Mährischen Slowakei. Bemerkenswert ist zudem die für eine Stadt dieser Größe außergewöhnlich hohe Dichte von sieben Kulturhäusern.
Zu den bedeutenden Persönlichkeiten mit Bezug zu Ungarisch Hradisch zählen der Schriftsteller und Übersetzer Bedřich Beneš Buchlovan (1885–1953), der Bohemist und Syntaxexperte Petr Karlík (* 1951) sowie der Schuhmacher und Unternehmer Antonín Baťa sen. (1844–1905). Ebenfalls mit der Stadt verbunden sind der Literaturhistoriker Milan Blahynka (* 1933), der deutsche Komponist Conradin Kreutzer (1780–1849) und der Architekt sowie Bildhauer František Lydie Gahura (1891–1958).
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