Ostrau


Die Großstadt Ostrau (Ostrava auf Tschechisch, Ostrawa auf Polnisch) ist eine große und wichtige Stadt im Südosten Tschechiens und die Hauptstadt Schlesiens. Ostrau liegt 10 km weit von der Grenze Polens und ziemlich nah der slowakischen Grenze (ca. 50 km), das gab der Stadt eine strategische Lage in der Vergangenheit und bis heute ist Ostrau geographisch und wirtschaftlich relevant. Ostrau liegt an den Flüssen Oder (Odra), Oppa (Opava), Ostrawitza (Ostravice) und Lučina, wobei manche von diesen und auch manche kleineren Flüsse die Stadteile durchfließen und hier ineinander münden. Ostrau ist die drittgrößte Stadt der Tschechischen Republik, die zweitgrößte Stadt Mährens und die größte Stadt Schlesiens. In den 23 Stadteilen leben 290 000 Bewohner auf der umfangreichen Fläche von 21 401 Hektar. Die ganze Agglomeration von Ostrau mit ihren 37 Stadtteilen hat ungefähr eine Million Bewohner, was sie die zweitgrößte Agglomeration in ganz Tschechien macht.

Ostrava entstand aus alten Siedlungen an der Mündung der Ostrawitza in die Oder. Seit dem 10. Jahrhundert ist das Ostrauer Becken als Siedlungsgebiet des slawischen Stammes der Hollasitzer (Holasici) bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung, in der eine Siedlung an dem Fluss Ostrá (heutige Ostrawitza) beschrieben wurde, kommt dann aus dem Jahr 1229. Diese Siedlung war das heutige Schlesische Ostrau und gehörte zu dem historischen Land Schlesien. Die zweite kleine Stadt nicht weit entfernt, die heute Mährisch Ostrau heißt, wurde erstmals im Jahr 1267 genannt. Mährisch Ostrau bekam die Stadtrechte im Jahr 1297 und beide Orte, die neben einander bestanden, stellten die historische Grenze zwischen Schlesien und Mähren. Heute unterscheidet man noch zwischen Mährisch Ostrau und Schlesisch Ostrau, aber die beiden Teile und weitere Stadtteile und Dörfer gehören zu einer Stadt, die Ostrau oder Agglomeration Ostrau bezeichnet wird.

Von der Zeit des Mittelalters bis zur Zeit der Aufklärung war die Stadt ziemlich klein und leise, aber die ältesten Gebäude wie die St. Wenzel Kirche oder die Schlesisch-Ostrauer Burg sind in diesem Zeitraum entstanden. Der Dreißigjährige Krieg und die Besetzung von Schweden zwischen den Jahren 1621 und 1645 sind ziemlich entscheidende Momente in der Geschichte der Stadt, aber bis heute gibt es nur wenige Ereignisse und historische Quelle aus den früheren Jahrhunderten. Die Bedeutung der Stadt stieg erst nach dem Fund von Kohle im Jahr 1763 und mit dem Beginn des Bergbaus im Jahr 1782. 

Mit der Industriellen Revolution in vollem Gange wuchs Ostrau besonders schnell und die Stadt war ab dem 19. Jahrhundert das Zentrum des Bergbaus, der Eisenhütte, der Metallurgie und auch sämtliche Schwerindustrie fand hier statt. Im Jahr 1829 wurden vom Erzbischof von Olmütz, Erzherzog Kardinal Rudolf von Österreich, die Rudolf Eisenwerke gegründet, die damals den Namen des Gründers trugen. Nach dem Ankauf im Jahr 1843 übernahm die Rotschild Familie die Eisenwerke und der Name wurde auch logischerweise gewechselt, auf die Witkowitzer Eisenwerke, die in dem Stadtteil Witkowitz bis heute stehen.

Die Stadt konzentriere sich für ungefähr 200 Jahre vor allem auf den Bergbau und die Schwerindustrie, infolgedessen gab es fast immer viel Arbeit und die Bevölkerung von Ostrau stieg exponentiell über die Jahre hinweg. Es gab viel Einwanderung aus ganz Österreich-Ungarn und es ergaben sich viele Arbeitsplätze für die neu angekommenen Bürger. Die optimalen Bedingungen machten Ostrau zu einem Zentrum der Stahlindustrie und die Stadt wurde ein Ort des technischen Fortschritts, im Jahr 1844 wurde hier sogar der erste Dampfhammer Österreich-Ungarns errichtet.

Die massive Zuwanderung von ehemaliger Landbevölkerung bracht auch soziale und kulturelle Probleme mit sich, aber die Menschen mussten sie überwinden, um eine Gemeinschaft zu formen und in der Stadt zusammenzuleben. Die Religion half mit diesen Problemen und neben den zahlreichen anderen Kirchen, die man im 19. und 20. Jahrhundert baute, wurde die Arbeit an der Kathedrale zum Göttlichen Erlöser im Jahr 1889 beendet. Das industrielle Ostrau wollte jedoch auch eine eigne Kultur und ein öffentliches Leben, deshalb wurde im Jahr 1898 die erste öffentliche Bibliothek geöffnet und dann im Jahr 1919 wurde das Mährisch-Schlesische Theater gegründet.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs waren Mährisch Ostrau und Schlesisch Ostrau Teile der Tschechoslowakischen Republik. Die Industrie und der Bergbau hier waren wichtig für die ganze junge Republik, weil viele Rohstoffe und Materialien zur weiteren wirtschaftlichen Produktion in der ganzen Republik verwendet wurden. In dieser Zeit kümmert sich der langjährige Bürgermeister Jan Prokeš um weitere Verbesserungen und Modernisierungen der Stadt, zum Beispiel ließ er das Neue Rathaus und viele andere öffentliche Gebäude erbauen. Die Verwaltung unter Prokeš begann im Jahr 1924 mit der Vereinigung der benachbarten Dörfer mit der Stadt und so wurde der Grundstein für die heutige Agglomeration Ostrau gesetzt.

Als der Zweite Weltkrieg im Jahr 1939 hier ausbrach, fiel die Stadt in die Hände des Protektorats Böhmen und Mähren. Die Regime vereinigte Mährisch Ostrau, Schlesisch Ostrau und alle anderen Teile der Stadt in einer Gemeinde und nutzte die Stadt als Rohstoffquelle für den Krieg. Die Industriestadt wurde wegen der wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung oft von Alliierten bombardiert, weswegen große Teile von Ostrau und manche Fabriken bei der Bombardierung zerstört wurden. Am Ende des Krieges dominierten Gewalt und Hass gegen die deutschen/deutschsprachigen Einwohner und fast alle von ihnen wurden aus ihrer Heimstadt vertrieben.           

Nach dem Jahr 1945, in dem Ostrau durch die Rote Armee wiederbefreit wurde, kam es zur Machtübernahme der Kommunisten und zum Wiederaufbau der Stadt. Viele Stadteile wurden im Sinne des sozialistischen Realismus rekonstruiert oder manchmal auch komplett neu erbaut (wie z.B. Teile von Poruba). Ostrau durchlebe nochmal eine Urbanisierung und ein Bevölkerungswachstum in der Nachkriegszeit und die kommunistischen Machthaber lobten die Arbeiterklasse der Stadt häufig und nannten Ostrau ein perfektes Beispiel für eine moderne sozialistische ‚‚Metropole‘‘. Trotzdem lebten die Bürger nicht ohne Probleme und vor allem die Umweltverschmutzung machte Ostrau zwischen den 1960er und 1990er Jahren große Probleme. Damals gab es keine Regulationen für Minen und Fabriken und der unbegrenzte Energiegewinn war größtenteils wichtiger als das Wohlhaben der Einwohner.

Im Jahr 1989 und in den folgenden Jahren schlossen viele Minen, Eisenwerke und andere Fabriken der Schwerindustrie, manche von ihnen gingen aufgrund einer Umstrukturierung zu Grunde. Ostrau musste die wirtschaftliche Strategie verändern und neue Unternehmenszweige wie z.B. Ingenieurwissenschaft oder Computertechnik folgten anstelle der Schwerindustrie und des Bergbaus. Ein eindeutiger Vorteil dieses wirtschaftlichen Wandels sind jedenfalls die niedrigeren Umweltschäden. Außerdem hat die Verwaltung der Stadt viel Geld in den Wiederaufbau von Fauna und Flora investiert, damit die Stadt immer grüner wird.

Heute ist die moderne Stadt nicht vom Rohstoffabbau und der Industrie abhängig und dank den Investitionen in Kultur, Ausbildung, Medizin, Tourismus und das vielfältige soziale Leben können die Bürger ein besseres Leben als in der Vergangenheit führen. Ostrau lockt auch immer mehr Touristen an und es gibt sehr viele Sehenswürdigkeiten und Orte, die man besuchen kann, wie z.B.: das Bergbaumuseum, das Industriedenkmal Witkowitzer Eisenwerke, das Neue Rathaus, das Rathaus von Schlesisch Ostrau, die Schlesisch-Ostrauer Burg, die Kathedrale zum Göttlichen Erlöser, die Pfarrkirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria, das Stadtmuseum Ostrava, der zoologische Garten, die Stodolní-Straße, viele Museen, Kinos, Theater und sehr viele andere Orte, die in dieser tschechischen Großstadt sehenswert sind.

Die Stadt verfügt auch über viele Grundschulen, Sekundärschulen und auch manche Universitäten wie die Technische Universität Ostrava oder die Universität Ostrava. Es gibt mehrere regelmäßige Konzerte und Kulturveranstaltungen in Ostrau und Festivals wie Colours of Ostrava, Beats for Love oder Leoš Janáčeks Mai finden hier jährlich statt.

Viele bekannte Persönlichkeiten stammen aus Ostrava wie z.B.: Vlastimil Brodský, Věra Chytilová, Jehuda Bacon, Beno Blachut, Zdeněk Jirotka, Ilja Hurník, Jožka Jabůrková, Karel Reisz, Karel Lopreiz, Felix Neumann und viele andere.

Auch das Leben von vielen bekannten Persönlichkeiten ist mit Ostrau verbunden wie z.B.: Leoš Janáček, Jaromír Nohavica, Marie Rottrová, Hana Zagorová, Věra Špinarová, Ladislav Špaček, Richard Krajčo, Ondřej Malý und zahlreiche andere.

Bedeutende deutschmährischen Autoren, die eine Verbindung mit Ostrau haben, sind Nina Wostall, Franz Spunda, Ota Filip, Johanna Anderka, Maria Stona oder Ilse Weber. (Jan Celta, Student)

 


Autoren

Unvollendet
Franz Spunda

Geburtsdaten
01.01.1890
Olmütz

Sterbedaten
01.07.1963
Wien

Johanna Anderka

Geburtsdaten
12.01.1933
Mährisch Ostrau

Unvollendet
Maria Stona

Geburtsdaten
01.12.1861
Schloß Strzebowitz bei Ostrau

Sterbedaten
30.03.1944
Schloß Strzebowitz bei Ostrau

Ilse Weber

Geburtsdaten
11.01.1903
Witkowitz (heute Stadtteil von Ostrau)

Sterbedaten
06.10.1944
Auschwitz

Unvollendet
Nina Wostall

Geburtsdaten
30.05.1901

Unvollendet
Gertrud Hanke-Maiwald

Geburtsdaten
06.05.1918
Mährisch Ostrau

Sterbedaten
14.03.1993
Coburg

Unvollendet
Herbert Thomas Mandl

Geburtsdaten
18.08.1926
Bratislava

Sterbedaten
22.02.2007
Meerbusch-Büderich

Unvollendet
Joseph Wechsberg

Geburtsdaten
29.08.1907
Ostrau

Sterbedaten
10.04.1983
Wien

Werke

Dorfgestalten